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Der Sandmann: Feuermotiv

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Donnerstag, 20. Juli 2017 um 22:11 Uhr

Das Feuer ist neben den Augen ein zentrales Motiv in E.T.A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann, da Nathanaels Wahnsinnanfälle in engem Zusammenhang dazu stehen und auch ein Feuer daran Schuld ist, dass er in eine Wohnung gegenüber von Spalanzani zieht.

Feuer spielt bereits in Nathanaels Kindheit eine zentrale zerstörerische Rolle. Der Vater experimentiert zusammen mit dem Advokaten Coppelius mit Feuer und kommt bei einer Explosion in seinem geheimen Labor ums Leben. Sein Gesicht ist danach total verkohlt und unkenntlich. Die ganze Familie leidet sehr unter dem Verlust des geliebten Vaters.


Später in Nathanaels Studienzeit ist ein Feuer daran schuld, dass er aus seiner ursprünglichen Wohnung ausziehen und gegenüber von Spalanzani einziehen muss. Es ist damit Ausgangspunkt der Olimpia-Handlung, die Nathanaels Leben beeinflusst und zu schlussendlich zu seinem Tod führt.


Nach seiner Begegnung mit Coppola schreibt Nathanael zu Hause ein Gedicht, in dem das Feuermotiv zentral ist. Es handelt von seinem Liebesglück mit Clara, das vor dem Traualtar von dem schrecklichen Coppelius zerstört wird, da er die Augen der Braut berührt und diese daraufhin als blutige Funken in Nathanaels Brust springen und ihn versengen. Dann wird er selbst von Coppelius gepackt und in einen Feuerkreis geworfen, der wie ein Sturm tobt. Darin hört er Claras Stimme, die ihm sagt, dass er von Coppelius getäuscht wurde, da es nicht ihre Augen sondern das Blut seines Herzens war, das in ihm so gebrannt hat. Das bewirkt bei Nathanael, dass er wieder klar denken kann und der Feuerkreis verschwindet. Als er dann aber in Claras Augen blickt, sieht er den Tod in ihnen.


In diesem Gedicht hat er in verkürzter Form sein ganzes Leben dargestellt, wie es auch tatsächlich abläuft. Er ist zu Beginn der Erzählung glücklich mit Clara, aber Coppola, der für ihn Coppelius ist, stört dieses Liebesglück durch sein Auftauchen, da dieses zu Unstimmigkeiten zwischen den Verlobten führt. Durch den Verkauf des Taschenfernrohrs und der damit entflammten Liebe zu Olimpia geht die Störung weiter. Schließlich gipfelt das Ganze in der Zerstörung der Puppe, welche bei Nathanael einen heftigen Wahnsinnsanfall auslöst, bei dem er „dreh dich Feuerkreis“ ruft. Wie im Gedicht wurde er getäuscht, aber es waren nicht die Augen, die ihm gestohlen wurden, sondern es war sein Herz, welches verletzt wurde. Nach seiner Genesung ist er dann wieder glücklich mit Clara, aber es gibt kein Happy End mit ihr, sondern der Tod wartet auf ihn in Form seines Sprungs vom Rathausturm.


Bevor Nathanael sich tötet, ruft er wieder „dreh dich Feuerkreis“, was einen erneuten Wahnsinnsanfall bedeutet. Der Feuerkreis steht demnach sowohl im Gedicht als auch in Nathanaels Leben für heftige Anfälle von Wahnsinn. Auch die Augen, die wie Funken in sein Herz springen, leiten die Wahnsinnsanfälle ein. Im Gedicht sind es Claras Augen, später sind es Olimpias Augen, die ihm Spalanzani gegen die Brust wirft, die der Auslöser für seinen Wahnsinnsanfall sind. Die glühenden Funken finden also in seinem Innern Nahrung und werden sinnbildlich zu einem Feuer, das ihn verzehrt und gegen das er sich nicht wehren kann.

Autorin: Kirsten Schwebel

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