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Die Verwandlung: Biografischer Hintergrund

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Dienstag, 10. Januar 2017 um 22:48 Uhr

Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ zeigt das Leben des jungen Gregor Samsa und seiner Familie, nachdem er sich in einen großen Käfer verwandelt hat. Es fällt auf, dass es zahlreiche Parallelen zwischen Kafkas Leben und „Die Verwandlung“ gibt, die im Folgenden näher dargelegt werden.

Ebenso wie Gregor hat der Autor eine enge Bindung an seine Familie und ist nicht in der Lage, dauerhafte Beziehungen mit Frauen einzugehen. Über Gregor heißt es, dass er „keine ganz vertrauenswürdige Lunge“ hat, Kafka selbst erkrankt an Lungentuberkulose. In Bezug auf die Arbeit übernehmen beide die Fehler des Vaters: Gregor arbeitet dessen Schulden ab, Kafka versucht bei den Angestellten seines Vaters dessen Fehlverhalten wiedergutzumachen. Die Beziehung zum Vater ist in beiden Fällen davon geprägt, dass der Sohn sich immer weniger gegenüber dem Vater ausdrücken kann und schließlich in seiner Gegenwart ganz verstummt. Dies ist bei Kafka selbst ein längerer Prozess, den Gregor in gedrängter Weise durchläuft.


Sowohl Kafka als auch Gregor haben ein enges Verhältnis zu ihrer Schwester und beide fühlen sich von ihr verraten. Kafkas Schwester Ottla entscheidet sich im Streit zwischen den Eltern und ihrem Bruder, bei dem es um die familieneigene Fabrik geht, für die Seite der Eltern und Grete vernachlässigt ihren Bruder immer weiter bis zur offenen Feindseligkeit und der damit verbundenen Forderung nach seiner Beseitigung.
Auch die Mütter ähneln sich stark. Beide lieben ihre Söhne, sind aber zu schwach, um sich offen gegen die dominanten Väter zu stellen. Außerdem gibt es zwei ähnliche Situationen in Werk und Leben. In der Erzählung fleht die Mutter um Gregors Leben, als dieser ihn um den Esstisch treibt und mit Äpfeln bewirft. Kafkas Mutter rettet den Sohn aus einer ähnlichen Situation. Der Vater treibt ihn schreiend um den Tisch, was dem kleinen Franz schreckliche Angst macht, und die Mutter rettet ihn, indem sie ihn auf den Arm nimmt.


Zwischen den Vätern gibt es noch mehr auffallende Ähnlichkeiten. Beide werden von ihren Söhnen als riesig und mächtig empfunden. Gregor fällt dies in Bezug auf die Stiefel des Vaters auf, als dieser ihn um den Tisch treibt. Dies stellt noch mal bildlich das Machtgefälle dar: unten der kriechende Gregor und oben der übermächtige Vater. Die Vertreibung Gregors aus dem Wohnbereich der Familie hat aber noch eine weitere Parallele in Kafkas Leben. Sein Vater sperrt ihn als Kind einmal nachts auf den Balkon, weil er ständig um Wasser gebeten hat und der Vater ihn ruhigstellen wollte. In Bezug auf ihren sonstigen Charakter ähneln sich die Väter ebenfalls. Beide sind jähzornig, extrem streng und für die Söhne in ihrem Verhalten unberechenbar. Beide verbindet aber auch die Fürsorge für ihre Ehefrauen.


Die Erzählung und das Leben des Autors verbindet somit als zentrales Motiv die Enttäuschung des Vaters durch die Andersartigkeit des Sohnes und die damit verbundenen Schuldgefühle des Sohnes.

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Autorin: Kirsten Schwebel

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