Bildbeschreibung mit Beispiel

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Samstag, 27. März 2021 um 12:01 Uhr

Eine Bildbeschreibung informiert sachlich darüber, was auf einem Bild zu sehen ist. Sie ist keine Interpretation. In der Schule werden Bildbeschreibungen in fast allen Fächern gefordert, nicht nur in Kunst. In diesem Artikel wird gezeigt, was zu einer Bildbeschreibung gehört, wie man sie schreibt und wie man am besten vorgeht.


Im Schulunterricht müssen immer wieder Bilder beschrieben werden, z.B. Schemazeichnungen in den naturwissenschaftlichen Fächern, Karikaturen in Politik, Deutsch oder Fremdsprachen, Gottesdarstellungen in Religion und Gemälde in Kunst, um nur ein paar Beispiele zu nennen.


Wichtig ist es die Bildbeschreibung von der Bildanalyse bzw. Bildinterpretation zu unterscheiden. Die Bildbeschreibung geht darauf an, was auf dem Bild zu sehen ist und sagt kurz, welche Wirkung beim Betrachter hervorgerufen wird. Die Analyse und Interpretation gehen weiter in die Tiefe und machen wertende Aussagen zur Bedeutung einzelner Aspekte und des Gesamtwerks.


Vorbereitung: Notizen

Bevor du überhaupt mit dem Schreiben der Bildbeschreibung beginnst, ist es wichtig, dass du dir das zu beschreibende Bild genau betrachtest und dir alle Auffälligkeiten notierst. Dazu gehören allgemeine Angaben zum Werk und Künstler wie Titel, Jahr und Name, aber auch Angaben darüber, was zu sehen ist oder welche Wirkung es auf dich hat.
Im nächsten Schritt sortierst du deine Notizen nach Kategorien und ergänzt sie mit weiteren Stichworten. Die Kategorien können je nach Bild bzw. Aufgabenstellung unterschiedlich sein, meistens wirst du aber folgende Kategorien benötigen:


  • Allgemeines: Name des Künstlers, Titel des Werks, Jahr, Maltechnik (z.B. Öl auf Leinwand), Art (Gemälde, Fotografie, Zeichnung…), Thema des Bildes (z.B. nächtliche Landschaft, Porträt einer Dame, abstrakte Formen…), Bildquelle (Wo hängt es? Wo wurde es veröffentlicht?)
  • Inhalt: Hautthema/ Hauptdarstellung, Nebenthemen/ Nebendarstellungen, Zeichen, Symbol, bei Personen: Stellung zueinander, Gesichtsausdruck, vermutliche Gefühle, Körperhaltung…
  • Stellung im Raum: Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund, Mittelachse, Zentrum, oben, unten, goldener Schnitt, Symmetrien, Asymmetrien…
  • Blickführung: diagonale oder senkrechte Blickachse
  • Farbgebung: Gesamteindruck (hell/ dunkel, leicht/ schwer), warme/ kalte Farben, Komplementärfarben, Farbkontraste, dominierende Farbe(n)…
  • Formen: groß/ klein, rund/ eckig/ oval, Linien und Linienstärke…
  • Perspektive: Froschperspektive (von unten), Normalperspektive, Vogelperspektive (von oben)
  • Maltechnik: ergänzend zum Allgemeinen (s.o.) noch Technik, Pinselführung…


Die Notizen zu erstellen, dauert eine Weile. Du solltest dir die Zeit dafür aber unbedingt nehmen, denn wenn du gute und ausführliche Notizen hast, kannst du die eigentliche Beschreibung in viel kürzerer Zeit schreiben und vergisst keine wesentlichen Aspekte.

Bildbeschreibung schreiben

Eine Bildbeschreibung ist, wie die meisten Aufsätze, in Einleitung, Hauptteil und Schluss eingeteilt.


Einleitung
Für die Einleitung genügen meist ein bis zwei Sätze, die das beinhalten, was du dir unter „Allgemeines“ notiert hast, also Name des Künstlers, Titel des Werks, Jahr, Maltechnik, Art, Thema des Bildes und Bildquelle. Hier ein Formulierungsvorschlag:
Das Gemälde „Titel“ von „Künstler“ aus dem Jahr x wurde in/ mit „Maltechnik“ gemalt und zeigt „Thema“. Es hängt in der … Galerie/ Es wurde in der „Zeitschrift“ veröffentlicht.


Hauptteil
Der wichtigste Aspekt der Bildbeschreibung ist der Bildgegenstand (auch Sujet genannt). Das ist das zentrale Thema des Bildes. Von diesem ausgehend überlegst du dir dann, wie du den Hauptteil aufbaust. Fängst du mit dem Auffälligsten an oder mit dem Unauffälligen? Beschreibst du am besten von oben nach unten oder vorne nach hinten oder umgekehrt? Überlege dir dazu, wie der Blick im Bild gelenkt wird.


Wenn du das entschieden hast, benötigst du deine restlichen Notizen und verfasst mit ihrer Hilfe den Hauptteil der Beschreibung. Gehe dabei besonders auf den Bildgegenstand ein und achte darauf, keine Bildelemente zu deuten, denn das gehört zu einer Interpretation und nicht in eine Beschreibung.


Den Abschluss des Hauptteils bildet eine Epochenzuordnung. Dazu wird kurz analysiert, was an dem Malstil deutlich geworden ist und ob dieses Bild damit für den Künstler bzw. die Epoche typisch ist.


Schluss

Im Schluss werden nochmal knapp die wesentlichen Aspekte zusammengefasst und man kann hier auf die Wirkung eingehen, die das Bild auf den Betrachter hat. Manchmal wird auch verlangt, seine eigene Meinung zu äußern. Das kommt dann aber auf die Aufgabenstellung an und sollte abgesprochen sein.

Beispiel für eine Bildbeschreibung


Das bisher noch unveröffentlichte Gemälde „Die gelbe Katze“ aus dem Jahr 2002 von Kirsten Schwebel ist mit Wasserfarbe auf Papier gemalt und zeigt eine schlafende gelbe Katze.

Bildbeschreibung Katze

Diese ist das Zentrum des Bildes und der Blick wird durch die Formen, Farben und Linien immer dorthin gelenkt. Die Katze liegt auf einem blauen rechteckigen Kissen, wobei die eckige Form des Hintergrunds und des Kissens einen Kontrast zu den geschwungenen Linien der Katze darstellt. Das Eckige wird zur Mitte hin immer weiter aufgelöst, da der Hintergrund durch die rechten Winkel des Papiers begrenzt wird, das Kissen zwar eckig ist, aber die Seitenlinien nicht ganz gerade sondern leicht geschwungen sind, und die Katze oval ist.


Unterbrochen wird ihre Form nur durch die spitzen Ohren. Der Betrachter sieht sie aus der Vogelperspektive, wodurch die Falten im Kissen, die durch das Gewicht der Katze verursacht werden, deutlich zu erkennen sind. Dadurch, dass immer mehrere Falten ihren Ausgangspunkt an der Katze haben und sich nach außen auffächern, wird der Blick auf die Mitte gelenkt. Die Falten sehen dadurch aus wie Pfeile, die auf die Katze zeigen.


Das gesamte Bild ist, bis auf eine Ausnahme, in den Grundfarben gestaltet. Dadurch wird ein maximaler Farbkontrast erreicht. Der Hintergrund ist weinrot, das Kissen blau, die Katze gelb und ihr Schatten auf dem Kissen dunkelblau. Nur die Nasenspitze und die Ballen der Pfoten sind grün, was die Mischfarbe aus dem Blau des Kissens und dem Gelb der Katze ist.


Die Farben werden zur Mitte hin immer heller, sodass der Blick des Betrachters direkt dorthin und damit auf die Katze gelenkt wird. Auch die Pinselführung wird nach innen immer feiner. Im Hintergrund erkennt man deutlich die kräftigen von oben nach unten geführten Pinselstriche, beim Kissen werden sie feiner und bei der Katze ist keine Richtung mehr erkennbar.
Das Gemälde lässt sich nicht eindeutig in eine Epoche einordnen, sondern es handelt sich um eine Neuinterpretation des Pop-Art.


Die wesentlichen Elemente, wie flächige und plakative Malweise in Verbindung mit intensiven Farben ist gegeben, jedoch geht die Künstlerin über die Pop-Art-Darstellung durch die sichtbare Pinselführung, die variierte Dicke der Umrandungslinien sowie die angedeutete Tiefe durch den Schattenwurf der Katze und die Falten des Kissens hinaus.


Der Name des Bildes „Die gelbe Katze“ ist Programm. Der Blick des Betrachters wird sowohl durch die Farbgebung als auch die Pinselführung auf das Zentrum des Bildes, die gelbe Katze, gelenkt. Dabei wird der Blick durch die Reduzierung auf das Hauptmotiv durch keine Nebendarstellung abgelenkt. Die Katze strahlt Zufriedenheit und Geborgenheit aus, was wie eine Einladung wirkt, sich zu ihr auf das Kissen zu kuscheln.


Autorin: Kirsten Schwebel