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Die zwei Gesellen von Joseph v. Eichendorff - Interpretation

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Donnerstag, 28. Dezember 2017 um 18:51 Uhr

Das Gedicht "Die zwei Gesellen" von Joseph Freiherr von Eichendorff erzählt aus der Sicht eines lyrischen Ichs von zwei am Leben scheiternden Gesellen. Einem von ihnen eröffnet sich die Möglichkeit auf göttlichen Wegen mit dem Leben umzugehen, um der Sehnsucht nach dem Fernen und Unbekannten nachzugehen.


Das Gedicht beginnt mit der Einführung der zwei Gesellen, die ihr Zuhause zum ersten Mal verlassen und hinaus in die Natur gehen. Sie sind beide guter Laune, freuen sich über die gewonnene Freiheit und genießen den Frühling. Sie streben nach hohen Dingen, wollen viel erreichen und trotzen auch der Lust und dem Schmerz. Diese gemeinsame Ausgangsposition geht im Laufe des Gedichts auseinander und splittet die beiden zuvor vereinten Gesellen in zwei auf sich allein gestellte Männer.


Der erste findet bald eine Frau, mit der er "Haus und Hof" (vgl. Z.11ff.) besitzt und sich seine Stellung im Leben festigt. Bald folgt aus dieser Beziehung ein Bübchen und der Geselle scheint sicher und geborgen in seinem "Stübchen". "Und sah aus heimlichen Stübchen, behaglich aufs Feld hinaus", es scheint als ob er seine Vergangenheit vergessen hätte. Er fühlt sich in seinem "Stübchen" wohl, denn sprang er doch im ersten Vers noch glücklich in der Natur herum, so genießt er nun das Heimische und zieht die Gebundenheit an Familie und Gut der Freiheit vor.
Der zweite Geselle lebt ein Leben voller Abenteuer, ein genauer Gegensatz zum Leben des ersten Gesellen. Er verstand sich auf das Ausleben sinnlicher Genüsse. Der zweite Geselle ist nicht auf die Ehefrau und Kinder fixiert, sondern lässt sich durch "tausend Stimmen" locken und erliegt der Versuchung des Lebens. Er denkt den "Verlockenden Sirenen" und wird durch sie verführt. Im letzten Vers fordert er "Ach Gott, führ uns liebreich zu dir!", diese fast gebetähnliche Bitte, lässt ihn nach dem dritten Weg fragen, weder den von ihm bereits eingeschlagenen noch den seines Kameraden. Der dritte Weg soll mit Gottes Hilfe beschritten werden.


Das Gedicht besteht aus sechs Strophen mit jeweils fünf Versen. Das Gedicht ist in Einleitung und Hauptteil gegliedert, zunächst werden die Gesellen eingeführt, eine Handlung folgt. Die ersten beiden Strophen widmen sich beiden Gesellen, die dritte dem ersten und die letzten drei dem zweiten Gesellen. Diese Aufteilung lässt sich auf die Lebensart der beiden zurückführen. Der erste Geselle führt ein an sich kompaktes und übersichtliches Leben, daher nur eine Strophe. Der zweite Geselle lebt ein turbulenteres Leben und hat daher Anspruch auf drei Strophen. Die letzte Strophe kann man auch als Fazit der vorangegangenen Strophen sehen.


Die erste Strophe beschreibt die Gesellen und ihr Auszug in die Natur mit vielen Adjektiven (jubelnd, hellen, klingenden, singenden). Dies unterstützt den für die Romantik typischen Charakterzug der Natur. Auch weitere Merkmale der Romantik lassen sich hier finden. In der dritten Strophe benutzt der Autor viele Diminutiven (Liebchen, Stübchen, Bübchen), also Verniedlichungen, welche auf ironische Weise klar machen, dass der Autor vom Weg des ersten Gesellen wenig hält und ihn nicht bevorzugt.


Der zweite Geselle wird in der vierten Strophe eingeführt, das lyrische Ich wird in den Schlund des Lebens gezogen. Nun benutzt der Autor eine Metapher, er verwendet das Wort "Schifflein" und meint damit den Stillstand im Leben des zweiten Gesellen, da er festgelaufen ist und nicht mehr weiter kommt. "Still" und "Kalt" verdeutlichen diese Atmosphäre. Mit der direkten Ansprache von Gott im letzten Vers, wird die Sehnsucht nach einer zweiten Chance verdeutlicht, ein Aufruf an die göttliche Macht. Hier spielt der Sehnsuchtsbegriff der Romantik eine entscheidende Rolle.


Mit einem vierhebigen Jambus unterstreicht der Autor die Sinnlichkeit des Gedichts und untermalt das Ganze mit einem klangvollen Unterton. Auch hier findet man Merkmale der Romantik wieder, die klare Formabweichung von der üblich gebrauchten Reimform (üblich: aabb, abab, abba). Von Eichendorff verwendet die Variante abaab und kombiniert somit den umarmenden Reim mit einer abweichenden Form des Kreuzreims.


Alle drei Wege die eingeschlagen werden können, haben eines gemeinsam: die Sehnsucht nach einem Leben voller Glück und Harmonie.
Auch heutzutage spielt die Sehnsucht eine große Rolle in den Entscheidungen der Gesellschaftsschichten. Denn wer, getrieben von Liebe oder Trauer, wünscht sich nicht in einem vollkommenen Leben aufzuwachen, welches voller Freude und Harmonie ist? In der Romantik ist der Sehnsuchtsbegriff oft zu unbestimmt definiert, so ist nicht klar zu erkennen welchen dritten Weg der Geselle meint, vielleicht ist es auch nur ein Mittelweg, der beide Lebensarten miteinander verbindet. Der Einfluss Gottes spielt im Gedicht wie heute einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensart der Menschen.

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