Lyrik: Definition, Merkmale und mehr

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Montag, 25. Oktober 2021 um 13:31 Uhr

Dieser Artikel befasst sich ausführlich mit der Lyrik. Neben der Epik und Dramatik ist sie eine der drei Hauptgattungen der Poesie. Hier erfährst du, was ein Gedicht ist, welche verschiedene Arten es gibt und alles zum Aufbau von Gedichten (Gedichtarten, Strophenformen, Versmaß, Reim, Metrum).


Definition

Lyrik leitet sich vom griechischen Wort „Lyra“ ab, was übersetzt „Leier“ bedeutet. Lyrik war demnach ursprünglich ein Gesang in Versen, der von einer Leier begleitet wurde. Am bekanntesten sind hier sicher die mittelalterlichen Minnesänger wie Walter von der Vogelweide oder Hartmann von Aue. Heute meinen wir mit Lyrik ganz allgemein Gedichte. Dabei geht es nicht so sehr um Sangbarkeit, wobei dies aber bei Liedtexten immer noch eine Rolle spielt. Diese gehören auch zur Lyrik.

Merkmale von Gedichten

Gedichte weisen häufig einige der folgenden Merkmale auf. Da sie aber sehr vielfältig sind, treffen meist nur einige der genannten auf ein Gedicht zu.

  • keine korrekte Grammatik oder logische Sprache
  • Komplexes wird möglichst knapp dargestellt (sprachlich und inhaltlich)
  • Autor und Sprecher im Gedicht haben Nähe zueinander
  • Leseransprache
  • Wiederholungen von Leitmotiv oder Refrain
  • Verwendung von Stilmitteln


Arten von Lyrik:

Je nach Inhalt des Gedichts werden verschiedene Arten von Lyrik unterschieden.

  • Naturlyrik: Zentralmotiv sind Naturerscheinungen und Naturgefühl
  • Epische Lyrik: Erzählgedichte -> Balladen
  • Erlebnislyrik: Erlebnis geht der Dichtung voraus und wird thematisiert
  • Liebeslyrik: persönliches Liebesgefühl, Schönheit einer Person etc.
  • Gedankenlyrik: geistige/philosophische Inhalte
  • Politische Lyrik: Zusammenhang mit politischen Ereignissen, Angriffslust
  • Geselligkeitslyrik: Wander- und Tanzlieder
  • Feierliche Lyrik: z.B. Lobgesang zur Ehre Gottes
  • Absolute Lyrik: reine Wortkunst, Sprache als Thema
  • Konkrete Lyrik: Bildgedichte
  • Gelegenheitslyrik: zu bestimmten Anlässen verfasste Gedichte

Neben den genannten Arten von Lyrik kann man weitere Sammelbezeichnungen benutzen. So spricht man beispielsweise von einem Dinggedicht, wenn ein Objekt poetisch dargestellt wird. Bei einem Rollengedicht spricht eine lyrische Figur in der Ich-Form (lyrisches Ich, das nicht identisch mit dem Autor ist) und ein Lehrgedicht dient dazu, den Zuhörer zu belehren.

Äußere Form von Gedichten

Gedichte bestehen aus Metrum, Versmaß, Reim, Strophenform und Gedichtform. Bei einer Gedichtinterpretation muss man dazu im Analyseteil Angaben machen. Dabei geht man vom Großen ins Kleine (von der Gedichtform bis hin zum Metrum).


Gedichtformen

Es gibt verschiedene Gedichtformen, die man vor allem am Aufbau der Strophen erkennt.

  • Ode: Strophen mit vier Versen, von den die ersten beiden länger und die letzten beiden kürzer sind, reimlos, feierliche Sprache
  • Epigramm: Lebensweisheiten und Sinnsprüche, besteht meistens aus zwei, vier oder sechs Versen
  • Elegie: Trauer- oder Klagegedicht, besteht meist aus zehn Distichen (zweiversige Strophenform)
  • Hymne: feierlicher Lobpreis (z.B. Nationalhymne), oft inhaltliche Dreiteilung (Anrufung, Anflehung, Anbetung), reimlos
  • Sonett: 14 Verse, die sich in 2 Quartette und zwei Terzette aufteilen, jambische Versmaße, oft antithetische Inhalt (1. Quartett: These, 2. Quartett: Antithese, Terzette: Verschärfung oder Synthese)
  • (Volks-)Lied: einfacher Aufbau und Wortschatz, gereimt, oft mit Refrain
  • Ballade: längeres Erzähllied, gereimt, gegliedert
  • Madrigal: einstrophig, besteht aus zwei Terzetten und zwei Reimpaaren als Abschluss


Strophenformen

In der Schule müssen die Strophenformen meistens nicht benannt werden. Der Vollständigkeit halber werden sie hier aber vorgestellt.

  • Distichon: Zweizeiler, der aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht, reimlos, findet sich bei Epigramm und Elegie
  • Odenstrophe: vier Verse, von denen die ersten beiden länger und die letzten beiden kürzer sind, reimlos
  • Stanze: besteht aus acht Versen, jambisches Versmaß mit Reimschema ab ab ab cc
  • Terzine: drei jambische Verse mit fünf Hebungen, Kettenreim (wird auch Terzinenreim oder geflochtener Reim genannt)
  • Romanzenstrophe: vier trochäische Verse mit vier Hebungen, assonierend oder mit Kreuzreim


Versmaße

Auch die Versmaße muss man in der Schule nur selten benennen, normalerweise nur, wenn sie explizit gelernt wurden. Daher werden sie hier nur knapp dargestellt

  • Hexameter: Versmaß des Epos mit sechs Hebungen, entweder fünf Daktylen und ein Trochäus oder vier Trochäen, ein Daktylus und zum Schluss wieder ein Trochäus
  • Pentameter: fünf Versfüße (2 Dyktylen, 1 Spondeus, 2 Anapäste oder 2 Trochäen, 1 Spondeus, 2 Anapäste), feste Zäsur nach der dritten Hebung
  • Jambischer Trimeter: sechs Hebungen, in der strengen Form Zäsur (Einschnitt) nach der 5. Silbe, endet mit männlicher Kadenz
  • Tetrameter: acht Hebungen, meist weiblicher Versschluss, teilweise mit Zäsur nach der vierten Hebung
  • Alexandriner: sechs Hebungen, jambisch, Zäsur nach der 3. Hebung, oft Paar- oder Kreuzreim
  • vers commun: fünf Hebungen, jambisch, Zäsur nach der 2. Hebung, gereimt
  • Endecasillabo: fünf Hebungen, jambisch, Zäsur nach der 4. oder 6. Hebung möglich (aber nicht zwingend)
  • Blankvers: fünf Hebungen, jambisch, reimlos
  • Knittelvers: vier Hebungen, oft Paarreime
  • Volksliedvers: meist drei oder vier Hebungen, jambisch oder trochäisch, gereimt
  • freie Rhythmen: freies Metrum, reimlos, beliebige Verslänge

Lyrik: Reim und Metrum

In diesem Abschnitt geht es noch um Reim und Metrum.


Reim

Um das Reimschema zu bestimmen, schaut man sich das letzte Wort jedes Verses an und ordnet jedem Reim einen Buchstaben zu. Reimt sich ein Wort auf ein vorangegangenes (z.B. Insel reimt sich auf Pinsel), erhält es denselben Buchstaben (a). Wenn nicht, verwendet man einen neuen (b) usw. Findet sich kein passendes Reimwort im ganzen Gedicht, dann ist der Vers eine Waise (w).


Folgende Reimfolgen gibt es:

  • Paarreim: aabb
  • Kreuzreim: abab
  • Schweifreim: aab ccb
  • umarmender Reim: abba
  • dreifacher Reim: abc abc dwd
  • Kettenreim (auch Terzinenreim oder geflochtener Reim): aba bcb cdc


Enden die Reimwörter genau gleich, dann handelt es sich um einen reinen Reim (laufen – kaufen, Mühe – Frühe). Handelt es sich sogar um dasselbe Wort, dann ist dies ein identischer Reim. Werden die Wörter gleich ausgesprochen, aber unterschiedliche geschrieben, dann spricht man von einem rührenden Reim (wird – Wirt, Weise – Waise). Beim unreinen Reim dagegen unterscheiden sich die Vokale oder (Schluss-)Konsonanten (Blick – Glück, lass – Spaß, raten – laden). Liegt eine Assonanz vor, sind lediglich die betonten Vokale gleich (reich – mein).


Metrum

Das Metrum ist der Versfuß. Es bezeichnet die regelmäßige Abfolge betonter und unbetonter Silben. Je nach dem wie sie angeordnet sind, unterscheidet man:

  • Jambus: 1. Silbe unbetont, 2. Silbe betont (geschah, umsonst)
  • Trochäus: 1. Silbe betont, 2. Silbe unbetont (gehen, Wetter)
  • Daktylus: 1. Silbe betont, 2. + 3. Silbe unbetont (Daktylus, tugendhaft)
  • Anapäst: 1. + 2. Silbe unbetont, 3. Silbe betont (Anapäst)
  • Spondeus: 1. + 2. Silbe betont (Einhorn, Malbuch)


Endet ein Vers mit einer betonten Silbe, spricht man von männlicher Kadenz, endet er hingegen mit einer unbetonten Silbe, dann spricht man von einer weiblichen Kadenz.

Autorin: Kirsten Schwebel