Don Karlos von Friedrich Schiller - Lösungen der Aufgaben

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Donnerstag, 28. Dezember 2017 um 18:51 Uhr

Habt ihr die Klausuraufgaben selbstständig gelöst? Dann ist es jetzt Zeit einen Blick auf die Lösungen zu werfen. Wir versuchen natürlich so ausführlich und detailliert wie möglich zu antworten, wer jedoch andere Lösungsansätze gefunden hat, kann damit durchaus richtig liegen. Das Interpretieren von Textstellen ist oft unerschöpflich.

1. Vergleichen Sie stichwortartig die beiden Figuren des Don Karlos und des Marquis de Posa


Don Karlos

  • Antipathie gegen seinen Vater Philipp
  • gefühlsbetont, starke Gefühle für Elisabeth
  • überschwänglich freundlich
  • redegewandt
  • bittet um Hilfe
  • respektiert den Marquis
  • hat niemanden außer den Marquis
  • will Gouverneur von Flandern werden


Marquis von Posa

  • guter Freund von Don Karlos
  • steht bei Don Karlos in der Schuld
  • freundschaftliche Beziehung zu Don Karlos
  • ist der Berater von Don Karlos
  • besorgt
  • redegewandt
  • beflissen


2. Beschreiben Sie das Verhältnis zwischen Don Karlos und dem Marquis
In dem Drama „Don Karlos“ von Friedrich Schiller geht es um das höfische Leben, seine Intrigen und die Verbindung der Politik mit dem Leben am Hof und die Auswirkungen. Die Hauptperson Don Karlos, der Sohn des Königs, scheint in einem gerissenen Marquis von Pose den einzigen echten Vertrauten zu finden. Dieses freundschaftliche Verhältnis und seine Entwicklung sei hier beschrieben.


Zu Anfang weiß Don Karlos nicht, wem er vertrauen kann. Nur dem Marquis vertraut er und „belädt“ ihn mit seinen Sorgen, dass er seine Mutter liebe. Zu diesem Zeitpunkt hat die Freundschaft den Charakter einer Jugendfreundschaft frei nach dem Motto „eine Hand wäscht die Andere“, schließlich reden die beiden auch viel über ihre Jugendzeit.


Dies ändert sich jedoch, als der Marquis versucht, Don Karlos mit seinem Vater zu versöhnen und ihm politischen Einfluss zu verschaffen. Graf Lerma nutzt vermeintliche Gespräche des Marquis von Posa mit dem König, um Don Karlos dem Marquis gegenüber des Verrats zu bezichtigen. Don Karlos ist daraufhin mehr als verwirrt und weiß nicht mehr, wem er trauen kann und soll. Dass der Marquis nur Don Karlos‘ Bestes will, weiß dieser zu diesem Zeitpunkt nicht. Doch in einem Gespräch klärt sich das Misstrauen, Don Karlos händigt dem Marquis, wenn auch zögerlich, vertrauliche Briefe aus. Das Vertrauen scheint unangebracht, als der Marquis Don Karlos durch seine neu errungene Macht inhaftieren lässt. Doch sobald er ihn in seiner Zelle besucht, klärt sich auch dies auf und Don Karlos erkennt, das der Marquis sämtliche Verhalten nur zum Besten Karlos‘ war, sei es um das Verhältnis zu seinem Vater zu verbessern oder politisch mehr Einfluss zu erlangen.


Doch dann wird der Marquis de Posa unerwartet erschossen. Er kam um Don Karlos nur noch mit auf den Weg zu geben, die Ziele zu erfüllen und dort weiterzumachen, wo er, Posa, aufgehört hat. Insofern ist es keine Zweckfreundschaft, da der Marquis seine Macht, die er durch das Vertrauen des Königs erlangt, nicht für seine Zwecke einsetzt, sondern für die seines besten Freundes.


3. These: „Nicht König Philipp, sondern der Großinquisitor ist der Gegenspieler zur Figur des Marquis der Posa.“ Nehmen Sie Stellung.
Die These, der Großinquisitor sei der eigentliche Gegenspieler von Posa, kann man damit begründen, dass der König, der den Marquis umbrachte, lediglich ein Spielball des Großinquisitors war. Man kann argumentieren, dass der König keine eigene Entscheidungsgewalt besitzt. Ferner kann man dies daran erkennen, dass der Großinquisitor dem Marquis nachgestellt zu haben scheint (vgl. „Wo er sein mochte, war ich auch.“). Darauf geht er später näher ein. Zunächst jedoch kann man weiter auf das Verhältnis zwischen dem Großinquisitor und dem Marquis eingehen: Der Großinquisitor bezichtigt den Marquis als Ketzer und sagt, dass man dies sogar sehr leicht erkennen könnte.

Er attackiert den König, indem er ihn rhetorisch fragt, warum er Posa nicht der Inquisition übergeben habe, schließlich sei der Marquis der Inquisition schlimmster Feind. Der Mord, den Philipp an ihm vollzog, reiche nicht aus, um dieses Ketzertum zu beenden. Er stellt unmissverständlich klar, dass es die Aufgabe der Inquisition war, den Marquis zu ermorden (vgl. „Durch uns zu sterben, war er da.“). Der Großinquisitor dreht den Satz durch geschickte Wortwahl so, dass der Eindruck verstärkt wird, es sei die Aufgabe des Marquis gewesen, zu sterben. Nach dieser langen Liste der Anschuldigungen beginnt der Großinquisitor auch, diese zu begründen: Er, die Verkörperung der konservativen Auffassung, sah sich einem jungen, aufklärerischen Mann gegenübergestellt (vgl. „Vernunft“ und „Weltverbesserer“). Zwar ist das Amt des Königs genauso anti-aufklärerisch, aber der König ist beeinflussbar. Für ihn geht es nur um Politik, Macht hätte er immer noch gehabt,, auch wenn der Marquis nicht mit seinem aufklärerischen Denken an die Öffentlichkeit gegangen wäre (vgl. „prahlerischer Sprache“).

Der Großinquisitor hat im Gegensatz dazu nur Macht, die durch den strengen Glauben an die Kirche begründet wird. Aufklärung heißt Lösung aus individueller und geistiger Gebundenheit. Hätte der Marquis, wie es der König beabsichtigte, mehr Macht erhalten, vielleicht sogar einen höheren Posten erlangt, so hätte er sein Gedankengut in die Öffentlichkeit tragen können. Der Großinquisitor wäre somit der große Verlierer gewesen. Um seine Macht zu behalten, war es sein Ziel, das Emporkommen des Marquis zu verhindern. Er erkannt die Gefahr frühzeitig. Er legte alles darauf an, ihn hinrichten zu lassen. Der König störte diesen Plan unbewusst, aber man kann somit sagen, dass der Großinquisitor und nicht der König der eigentliche Gegenspieler des Marquis de Posa war.

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