Woyzeck: Inhalt Szenen / Zusammenfassung Szenen

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 05. Februar 2020 um 21:12 Uhr

In dem auf historischen Mordfällen basierenden Drama „Woyzeck“ von Georg Büchner ersticht der 30-jährige, psychisch kranke Soldat Franz Woyzeck aus Eifersucht seine Geliebte Marie Zickwolf, mit der er ein gemeinsames Kind hat. In diesem Artikel findet ihr eine detaillierte Zusammenfassung aller Szenen des „Woyzeck“. Da Büchner dieses Werk aufgrund seines frühen Todes nicht mehr vollenden konnte, liegen mehrere Fassungen vor. Wir haben uns hier für die Lese- und Bühnenfassung von Reclam entschieden.

Szene 1 – Freies Feld

Die Soldaten Franz Woyzeck und Andres sind außerhalb der Stadt und schneiden Stöcke in einem Gebüsch ab, wobei der Grund unklar bleibt (evtl. Einsatz bei Prügelstrafen). Dabei ist Woyzeck voller Furcht, da er meint, sich auf einer Richtstätte zu befinden. Er fürchtet, Köpfe von Enthaupteten zu finden, die ihm dann den Tod bringen. Verantwortlich macht er dafür die Freimaurer. Als er zuletzt meint, dass der Himmel brennt und man Posaunen hören kann, reißt er Andres zu Boden. Dann klingen seine Halluzinationen ab und die Welt erscheint ihm still und tot. Andres vernimmt das Getrommel von Soldaten zum Zapfenstreich und drängt Woyzeck zum Aufbruch, um rechtzeitig in der Kaserne zu sein.

Szene 2 – Marie (mit ihrem Kind am Fenster), Margreth

Marie Zickwolf, die Geliebte Woyzecks und Mutter ihres gemeinsamen unehelichen Kindes, steht mit ihrem Sohn Christian auf dem Arm am Fenster und sieht den vorübergehenden Soldaten zu. Vorneweg geht der Tambourmajor, den sowohl Marie als auch ihre Nachbarin Margreth attraktiv finden. Die beiden Frauen streiten, weil Margreth Marie vorwirft, mit dem Tambourmajor geflirtet zu haben und verweist auf Maries lockeren Lebenswandel, da sie ein uneheliches Kind hat. Marie schlägt daraufhin das Fenster zu und singt für ihren Sohn, um sich zu beruhigen. Da klopft Woyzeck ans Fenster und erzählt Marie andeutungsweise von seinen vorigen Wahnvorstellungen. Er kann aber nicht bleiben, da er zum Zählappell in die Kaserne muss. Marie gefällt es nicht, dass Woyzeck seinen Sohn nicht beachtet hat und ihr macht seine Verwirrung Angst.

Szene 3 – Buden. Lichter. Volk

Woyzeck und Marie besuchen (vermutlich noch am selben Abend) einen Jahrmarkt. Dort preist ein Ausrufer seine Show an, in der ein Pferd angeblich die Sterne lesen kann, Vögel die Zukunft vorhersagen und ein Affe als Soldat verkleidet ist. Marie möchte sich das zusammen mit Woyzeck ansehen und sie gehen ins Innere der Bude. Dabei fällt Maries Schönheit dem Tambourmajor und dem Unteroffizier auf. Sie loben ihre schwarzen Haare und Augen und folgen ihr in die Bude. Während der Show fragt der Ausrufer nach einer Uhr, damit das Pferd die Uhrzeit nennen kann. Der Tambourmajor gibt ihm seine und Marie möchte das Spektakel von weiter vorne sehen. Deshalb lässt sie sich vom Tambourmajor in die erste Reihe helfen.

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Woyzeck Inhalt Szenen 4-7

In diesem Abschnitt sehen wir uns den Inhalt der Szenen 4-7 an.

Szene 4 – Marie sitzt, ihr Kind auf dem Schoß, ein Stückchen Spiegel in der Hand

Marie hat ihr Kind auf dem Schoß und trägt Ohrringe, die sie offenbar vom Tambourmajor bekommen hat. Während sie sich in einer Spiegelscherbe betrachtet, sinniert sie über die ungleichen menschlichen Verhältnisse und bemüht sich, ihren Sohn mit einer Mischung aus Drohungen und Liedern zum Schlafen zu bewegen. Als Woyzeck plötzlich hinter ihr steht, versucht sie, die Ohrringe zu verstecken. Als ihr dies nicht gelingt, behauptet sie, dass sie sie gefunden hat. Woyzeck glaubt ihr erst nicht, weil ihm zwei gleiche verlorene Ohrringe als zu großer Zufall erscheinen, lenkt dann aber ein und betrachtet sein schlafendes Kind. Er lässt noch Geld da und geht. Marie bleibt mit einem schlechten Gewissen zurück.

Szene 5 – Der Hauptmann. Woyzeck

Woyzeck rasiert den Hauptmann, der sich als Philosoph aufspielt und sich über Woyzeck lustig macht. So ermahnt er ihn, sich nicht so zu hetzen, da dies auf ein schlechtes Gewissen hindeute und hält ihm vor, dass er ein uneheliches Kind hat. Woyzeck, der vorher nie widersprochen hat, weist nun auf Gott hin, der sich allen Kindern zuwendet. Außerdem erklärt er, dass er es sich gar nicht leisten kann, tugendhaft zu sein, da ihm das Geld zum Heiraten fehlt. Der Hauptmann bezeichnet ihn daraufhin als guten Menschen und schickt ihn fort. Dabei ermahnt er ihn erneut, sich nicht zu hetzten, sondern schön langsam zu laufen.

Szene 6 – Straße oder Gasse. Marie. Tambourmajor

Marie und der Tambourmajor treffen sich in einer Gasse, wobei unklar bleibt, ob sie sich verabredet haben oder sich zufällig begegnen. Nachdem sie sich gegenseitig gesagt haben, wie attraktiv sie sich finden, will der Tambourmajor Marie in den Arm nehmen, um sich ihren körperlichen Reizen noch eingehender zu widmen. Marie stößt ihn aber von sich und möchte dann wieder berührt werden. Ihr Verhalten erinnert an einen Balztanz.

Szene 7 – Straße oder Gasse. Marie. Woyzeck

Woyzeck macht Marie eine Eifersuchtsszene auf der Straße, indem er sagt, den Tambourmajor bei Marie gesehen zu haben. Er meint, dass man ihr die Sünde auf dem Gesicht ablesen können müsste. Marie weicht erst seinen Vorwürfen aus und erklärt ihn für verrückt. Am Ende der Szene sagt sie dann aber, es sei belanglos, ob sie eine Affäre habe oder ob nicht.

Woyzeck Szenen 8-12

In diesem Abschnitt sehen wir uns den Inhalt der Szenen 8-12 an.

Szene 8 – Woyzeck. Der Doktor

Der Doktor, an dessen Ernährungsexperiment – nur Erbsen zu essen – Woyzeck als Versuchsperson teilnimmt, ist empört darüber, dass Woyzeck wie ein Hund an die Wand uriniert hat, anstatt seinen Urin einzuhalten, um ihn zu weiteren Untersuchungszwecken bei ihm abzuliefern. Er fährt Woyzeck regelrecht an, obwohl er betont, ein wissenschaftlicher und kühl denkender Mensch zu sein. Als Woyzeck beginnt, seine etwas wirren Ansichten zur Natur des Menschen und der Welt darzulegen, doziert der Doktor ihm erfreut eine zeitweilige geistige Verwirrung und verspricht ihm daher eine Zulage. Er erwartet von Woyzeck, dass er weiterhin als willige Versuchsperson zur Verfügung steht.

Szene 9 – Straße oder Gasse. Hauptmann. Doktor

Der Hauptmann und der Doktor gehen gemeinsam auf der Straße und legen sich gegenseitig ihre Weltsicht dar. Der Hauptmann stört sich am schnellen Gang des Doktors, was auf ein schlechtes Gewissen hindeute (vgl. Szene 5). Der Doktor wiederum diagnostiziert beim Hauptmann eine baldige Lähmung, verursacht durch einen Schlaganfall, und verspricht ihm, ein so interessantes Studienobjekt zu werden, dass die Experimente ihm als Versuchsperson unsterblichen Ruhm bringen würden. Dann machen sich beide noch ein wenig gegenseitig übereinander lustig, bis der Hauptmann Woyzeck entdeckt. Er deutet diesem gegenüber Maries Untreue an, worauf Woyzeck ihn bittet, doch keinen Spaß mit ihm zu treiben, da er doch ein armer Kerl sei, der sonst nichts auf der Welt habe. Der Doktor analysiert erfreut den erregten Gemütszustand Woyzecks und erinnert ihn nochmals an die Zulage, während er dem förmlich flüchtenden Woyzeck hinterhereilt. Der Hauptmann sinniert am Ende der Szene darüber, wie die beiden Davoneilenden wirken und dass Rennen kein Merkmal eines guten Menschen sei (vgl. Szene 5). Er betont, dass er selbst nur in den Krieg gezogen sei, um seine Liebe zum Leben zu festigen. Zuletzt wundert er sich selbst über seine komischen Gedanken.

Szene 10 – Die Wachstube

Woyzeck und Andres haben an einem sonnigen, schönen Sonntag Wachdienst. In zwei Lokalen vor der Stadt ist Tanz und Musik, was scheinbar bis zu den beiden zu hören ist. Andres ist gut gelaunt und singt, aber Woyzeck hat keine Ruhe und will hinaus.

Szene 11 – Wirtshaus

In einem Wirtshaus wird bei offenen Fenstern gesungen und getanzt. Zwei angetrunkene Handwerksburschen sind vor dem Lokal und sinnieren über Branntwein und ihr weniges Geld. Als Woyzeck zum Fenster hineinschaut, sieht er Marie mit dem Tambourmajor vorbeitanzen. Diese Unzucht am hellen Tag macht ihn fassungslos. Währenddessen predigt einer der Handwerksburschen ironisch darüber, wie planvoll Gott jedem Menschen seine Bestimmung zugedacht hat und wie vergänglich alles Irdische ist.

Szene 12 – Freies Feld. Woyzeck

Woyzeck ist im freien Feld und meint immer noch die Musik und Marie zu hören. Dann glaubt er, der Boden und der Wind fordern ihn auf, Marie zu erstechen.

Woyzeck Zusammenfassung Szenen 13-20

In diesem Abschnitt sehen wir uns den Inhalt der Szenen 13-20 an.

Szene 13 – Nacht. Woyzeck und Andres in einem Bett

Andres und Woyzeck schlafen zusammen im selben Bett. Während Andres tief schläft, wird Woyzeck von der nachmittäglichen Musik und Stimmen aus der Wand verfolgt. Deshalb weckt er Andres, der Woyzeck abwimmelt und weiterschlafen will. Woyzeck beschreibt ihm sein Leiden als ein Ziehen zwischen den Augen. Dies hält Andres für Fieber und rät Woyzeck es mit Schnaps und einem fiebersenkenden Pulver zu bekämpfen.

Szene 14 – Wirtshaus. Tambourmajor. Woyzeck. Leute

In einem Wirtshaus brüstet sich der Tambourmajor damit, dass er ein toller und starker Mann sei. Er will Woyzeck auf rüde Art zum Trinken animieren. Als dieser jedoch nicht darauf eingeht, fängt er eine Schlägerei mit ihm an und gewinnt. Woyzeck sitzt zitternd und blutend auf einer Bank und will „eins nach dem anderen“ erledigen.

Szene 15 – Woyzeck. Der Jude

Woyzeck kauft einem Juden für zwei Groschen ein Messer ab, da ihm die Pistole zu teuer ist.

Szene 16 – Marie. Das Kind. Der Narr

Marie blättert in der Bibel und liest Textstellen, die mit Ehebruch zu tun haben. Sie bereut ihre Untreue zwar, kann aber das Verhältnis zum Tambourmajor nicht beenden. Als sie ihr Kind sieht, gibt ihr das einen Stich ins Herz. Ein nicht näher eingeführter Narr ist bei Marie und gibt verschiedene Märchenfetzen von sich. Dann nimmt er das Kind in den Arm und ist still. Marie bedauert, dass Woyzeck weder gestern noch heute zu ihr gekommen ist. Das gibt ihr das Gefühl eines inneren Todes. Am Schluss der Szene bedauert sie erneut ihre Untreue.

Szene 17 – Kaserne. Andres. Woyzeck

Woyzeck schenkt in der Kaserne Andres seinen wenigen Besitz: Jacke, Kreuz, Ring, Heiligenbild, zwei Herzen und Gold (es bleibt unklar, ob die Herzen und das Gold auf dem Heiligenbild drauf sind oder separaten Besitz darstellen). Andres nimmt alles befremdet entgegen und redet Woyzeck zu, sich krank zu melden und rät ihm erneut, Schnaps mit fiebersenkendem Pulver zu trinken. Woyzeck geht darauf nicht ein, sondern erklärt, dass man nie wissen kann, wann man stirbt.

Szene 18 – Marie mit Mädchen vor der Haustür

Marie ist mit einigen Mädchen vor der Haustür, welche singen und dann von Marie wollen, dass sie für sie singt. Sie tut es und bittet dann eine Großmutter (man weiß nicht wessen) darum zu erzählen. Diese erzählt daraufhin ein Märchen von einem Waisenkind, das durch die Welt geht und niemanden findet, der lebt. Daraufhin geht es erst zum Mond, dann zur Sonne und zum Schluss zu den Sternen. Es findet aber immer nur Totes. Als es zurück zur Erde will, stellt es fest, dass auch das nicht geht, weil die Erde nur ein umgestürzter (Nacht-)Topf ist, weshalb es sich hinsetzt, weint und bis heute ganz allein ist. Als die Großmutter endet, kommt Woyzeck und fordert Marie auf, mit ihm zu gehen, weil es Zeit sei. Wohin er mit ihr gehen will, weiß er aber noch nicht.

Szene 19 – Marie und Woyzeck

Marie und Woyzeck sind vor der Stadt. Weil es bereits dunkel ist und langsam kalt wird, will Marie zurück. Woyzeck lässt sie aber nicht und erinnert sie daran, dass sie an Pfingsten zwei Jahre zusammen sind. Marie scheint das unangenehm zu sein, denn sie spricht nur davon, dass sie zurückgehen will. Sie friert, was Woyzeck dazu veranlasst, zu sagen, dass sie aber doch warm sei. Ihr „Hurenatem“ stößt ihn ab und erregt ihn gleichzeitig, denn er würde sie gerne noch einmal küssen. Als er seine Mordabsicht andeutet, schreit Marie um Hilfe. Daraufhin sticht Woyzeck mehrfach mit dem Messer zu, bis sie tot ist. Als er Leute kommen hört, läuft er schnell davon.

Szene 20 – Es kommen Leute

Zwei Leute hören den Mord. Während die eine Person nicht wahrhaben will, was sie hört, bringt die andere Person die erste dazu, zum Tatort zu gehen, um zu sehen, was passiert ist.

Woyzeck Zusammenfassung Szenen 21-26

In diesem Abschnitt sehen wir uns den Inhalt der Szenen 21-26 an.

Szene 21 – Das Wirtshaus

Woyzeck ist im Wirtshaus und tanzt mit Käthe, die vermutlich die Magd des Wirts ist. Als ihm zu warm wird, setzen sie sich zusammen hin und Woyzeck deutet seine Mordtat an, was Käthe aber nicht verstehen kann. Dann will er, dass Käthe singt. Sie tut es und entdeckt, dass er an der Hand und dem Ellenbogen blutig ist. Dies zieht die Aufmerksamkeit mehrerer Leute auf die beiden. Woyzeck verstrickt sich bei seinen Erklärungen in Widersprüche und der Narr zitiert aus einem Märchen. Woyzeck bestreitet, jemanden getötet zu haben und meint, es gehe niemanden etwas an. Dann verlässt er fluchtartig das Wirtshaus.

Szene 22 – Kinder

Kinder erzählen sich von der Mordtat, die mittlerweile die Runde gemacht hat. Um noch etwas zu sehen zu bekommen, eilen sie zum Tatort.

Szene 23 – Woyzeck, allein

Woyzeck ist an den Tatort zurückgekehrt, um das Messer zu suchen, das er dort gelassen hat. Dabei führt er Selbstgespräche und sieht Marie daliegen. Er meint, er habe durch den Mord ihre Sünde von ihr genommen. Als er das Messer findet, hört er Leute und läuft schnell weg.

Szene 24 – Woyzeck an einem Teich

Woyzeck wirft das Messer in einen Teich. Als er bemerkt, dass er es nicht weit genug hineingeworfen hat, watet er ins Wasser und wirft es weiter weg. Danach bedauert er, es nicht zerbrochen zu haben und beginnt, sich die Blutflecke abzuwaschen.

Szene 25 – Gerichtsdiener. Barbier. Arzt. Richter

Ein Gerichtsdiener, ein Barbier, ein Arzt und ein Richter sind zusammen (ob am Tatort oder woanders bleibt offen) und der Polizeidiener stellt fest, dass man schon lange keinen so schönen Mord hatte.

Szene 26 – Der Idiot. Das Kind. Woyzeck

In der Schlussszene ist Woyzeck bei seinem Sohn und dem Idioten Karl (wer das ist, wird nicht näher erklärt). Scheinbar ist Woyzeck noch nass, da Karl mehrfach sagt, er sei ins Wasser gefallen. Woyzeck will seinen Sohn streicheln, der bei Karl auf dem Schoß sitzt. Dieser wendet sich jedoch ab und schreit. Verzweifelt verspricht Woyzeck, dass er ihm Lebkuchen kauft. Als sein Sohn aber auch das nicht will, gibt er Karl das Geld dafür und dieser läuft jauchzend mit Christian davon.

Autorin: Kirsten Schwebel

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