Lenz Hintergrund historisch (Georg Büchner)

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Donnerstag, 28. Dezember 2017 um 18:52 Uhr

Das historische Vorbild für Büchners Erzählung Lenz ist der gleichnamige Sturm-und-Drang-Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz. Sein dramatisches und unstetes Leben machte ihn zum Idealbild des gescheiterten Stürmer und Drängers.

Jakob Michael Reinhold Lenz wird am 23. Januar 1751 in Seßwegen geboren. Diese Stadt liegt in Livland, dem heutigen Lettland und gehörte damals zum Deutschordenstaat. 1768 zieht er mit 17 Jahren nach Königsberg in Ostpreußen und nimmt dort ein Theologiestudium auf, das er nie beendet. Bereits ein Jahr später veröffentlicht er das Versepos Die Landplagen. 1771 arbeitet er als Hofbeamter und begleitet in dieser Funktion die Kleist-Brüder nach Straßburg. Dort lernt er einige Sturm-und-Drang-Dichter kennen, wie beispielsweise Goethe, den er sehr bewundert. Daher versucht er auch mit der früheren Geliebten Goethes, Friederike Brion, eine Liebesbeziehung aufzubauen, was aber misslingt, da sie kein Interesse an ihm hat.


Erfolgreich ist in der Straßburger Zeit jedoch als Schriftsteller, denn er hat den Ruf eines zweiten Shakespeares. Er publiziert z.B. erfolgreich die Dramen Der Hofmeister (1774) und Die Soldaten (1776) und schreibt eine Abhandlung über das Theater, in der er eine eigenständige Dramentheorie entwickelt. Aber auch die Theologie beschäftigt ihn weiterhin. So erscheint 1775 sein theologisches Hauptwerk Meinungen eines Laien, den Geistlichen zugeeignet.


1776 folgt Lenz seinem Freund Goethe nach Weimar, um in der Nähe seines schriftstellerischen Idols zu sein. Goethe verehrt Lenz jedoch nicht so vorbehaltlos wie dieser ihn, da er zwar zwar Lenz‘ schriftstellerisches Talent anerkennt, aber seinen haltlosen Charakter kritisiert. Denn Lenz ist nicht in der Lage beständigen Halt zu finden. Er versucht seine eigene Leere durch die Einfühlung in andere Menschen zu füllen, scheitert aber letztlich, was sicherlich auch an seinem Trauma liegt, das sein Vater durch seine despotische Art bei ihm ausgelöst hat. Sein Vater ist nämlich sehr streng und als pietistischer Pastor missbilligt er den Lebenswandel seines Sohnes und stellt andere Erwartungen an ihn. Er ist tief enttäuscht, als Lenz sein Theologiestudium abbricht und somit niemals ein Geistlicher werden kann.


Lenz wird noch im gleichen Jahr (1776) wegen einer nicht näher bekannten „Eselei“ (Zitat von Goethe) aus Weimar ausgewiesen. Dieser Bruch mit dem bewunderten Vorbild schmerzt Lenz tief und von nun an gibt es erste Anzeichen seiner Schizophrenie. Im Jahr 1777 führt die Krankheit dazu, dass Lenz drei Wochen zur Genesung bei Pfarrer Oberlin in Waldersbach verbringt. Der Aufenthalt bringt aber keine Besserung, denn es folgen sogar Suizidversuche.


Die letzten 15 Jahre seines Lebens sind geprägt von einem unsteten Lebenswandel, da Lenz öfter umzieht und verschiedene Berufe ergreift. Stationen sind Jena, Basel, Riga, wo sein Vater lebt, St. Petersburg und zuletzt Moskau. Lenz versucht Jura zu studieren, als Lehrer und Soldat zu arbeiten, aber er kann nirgends Fuß fassen und auch die Wahnsinnsanfälle nehmen zu. Seinen Lebensunterhalt kann er nur finanzieren, da er von Gönnern unterstützt wird. Schließlich stirbt Jakob Michael Reinhold Lenz im Alter von 41 Jahren am 4. Juni 1792 in Moskau auf offener Straße. Sein Grab ist bis heute unbekannt.

Autorin: Kirsten Schwebel

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