Woyzeck: Charakterisierung Doktor

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 05. Februar 2020 um 20:06 Uhr

Der Doktor tritt nur in den Szenen 8 und 9 auf, hat hier aber viele und lange Redepassagen. Er gehört zur gebildeten Schicht und steht damit über Woyzeck. Er ist auf seinen Beruf reduziert und tritt nicht als Privatperson in Erscheinung, wie die folgende Charakterisierung zeigt.

Der Doktor ist Wissenschaftler und Forscher aus tiefstem Herzen. Daher ist es ihm auch so wichtig, dass sich Woyzeck, der ihm als Versuchsobjekt dient, genau an seine Anweisungen hält. Er reagiert sehr ungehalten, als Woyzeck einmal dagegen verstößt und gegen die Wand uriniert, anstatt seinen Urin einzuhalten und bei ihm abzugeben. Er untersucht diesen nämlich regelmäßig, um herauszufinden, wie er sich im Verlauf des Versuchs verändert. In der aktuellen Studie darf Woyzeck ausschließlich Erbsen essen.

Die Auswirkungen davon sind, dass die Haare dünner werden, der Puls unruhig wird und er Urin nicht mehr gut einhalten kann. Diese negativen Folgen für seinen Probanden interessieren den Doktor aber nicht, da es ihm nicht um den Menschen geht sondern um seine Forschung, mit der er die Wissenschaft revolutionieren will, und das damit verbundene Ansehen.

Seine Skrupellosigkeit wird auch daran deutlich, dass er Woyzecks geistige Verwirrung als Anlass nimmt, ihm eine weitere Zulage zu versprechen, anstatt ihm zu helfen. Er nutzt damit Woyzecks schlechte finanzielle Situation aus, da er dessen Familiensituation kennt und weiß, dass Woyzeck als einfacher Soldat nur einen geringen Sold erhält und dieser nicht ausreicht, um seiner Familie das Auskommen zu sichern.

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Charakterisierung Doktor


Außerdem bereitet es ihm Freude, seine Überlegenheit zu zeigen, da er seine Versuchsperson häufig schikaniert und als Objekt betrachtet. Für ihn kommt Woyzeck noch nach einem Tier, weil er sich darüber ärgert, dass er sich über ihn – einen Menschen – geärgert hat. Das passt nicht in sein Selbstbild. Er sieht sich nämlich als kaltblütigen Wissenschaftler, den nichts aus der Ruhe bringt.

Zudem ist er zynisch, was auch in dem Gespräch mit dem Hauptmann deutlich wird. Hier liefert er sich mit diesem einen Disput, in dem er sich über den Hauptmann lustig macht. Er stellt diverse Anzeichen für Krankheiten fest (z.B. aufgedunsen, fett, dicker Hals) und leitet daraus ab, welche Folgen das hat. Dabei stellt er aber das Schlimmste in Aussicht (dahinvegetieren, geistig gelähmt sein) und betont, dass dies die harmloseste Variante sei. Er droht zudem damit, dass der Hauptmann das nächste Studienobjekt wird, aber er verspricht ihm zynisch unsterblichen Ruhm, da sein Fall dann besonders interessant sei.

Damit würdigt er auch den Hauptmann herab, da er auch ihn so nicht als Person sondern lediglich als interessantes Objekt wahrnimmt und darstellt. Auch hier bietet er keine ärztliche Hilfe oder Beratung an, sondern spottet und denkt nur an seine Studien. Dieses generelle Verhalten zeigt, dass er kein Einfühlungsvermögen besitzt, wie man es eigentlich von einem Arzt erwartet. Auch der unsterbliche Ruhm, den er dem Hauptmann spöttisch prophezeit, zeigt seine Ich-Bezogenheit, da er ihm als Wissenschaftler gelten würde und weniger dem Hauptmann als entmenschlichtem Fall.

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Kirsten Schwebel

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