Woyzeck: Szenenanalyse / Interpretation Szene 10, 11 und 12

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 05. Februar 2020 um 20:53 Uhr

In Georg Büchners Drama „Woyzeck“ wird der arme und geistig verwirrte Soldat Franz Woyzeck zum Mörder von Marie Zickwolf, seiner Geliebten und Mutter ihres gemeinsamen unehelichen Sohnes Christian, weil sie ihn mit dem Tambourmajor betrogen hat. Hier findet ihr eine ausführliche und auf jede Szene eingehende Interpretation des Dramas. Die Reihenfolge der Szenen folgt der Lese- und Bühnenfassung von Reclam. Auf Zitate wurde aufgrund von abweichenden Seiten- und Zeilenzahlen in den verschiedenen Ausgaben weitestgehend verzichtet.

Woyzeck: Szenenanalyse Übersicht:

Szene 10 – Die Wachstube
Es ist Sonntag und Andres und Woyzeck haben Dienst in der Wachstube. Während Andres gut gelaunt ist und singt, ist Woyzeck unruhig. Ihn beschäftigt Maries Untreue. Vor der Stadt ist in zwei Lokalen Musik und Tanz, was bis zu den beiden zu hören ist.

Woyzeck befürchtet, dass Marie sich gerade mit dem Tambourmajor trifft, und verlässt sogar seinen Posten, um Gewissheit zu bekommen, wohl wissend, dass er bestraft wird, wenn es auffällt. Aber er hat keine Ruhe, da er weiß, dass beide gerade die Gelegenheit haben sich zu treffen, ohne von ihm überrascht zu werden.

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Szene 11 – Wirtshaus

Woyzeck kommt zu einem Wirtshaus, das er aber nicht betritt. Er schaut durch die geöffneten Fenster hinein und sucht Marie mit dem Tambourmajor unter den Tanzenden. Währenddessen sinnieren zwei Handwerksburschen über Schnaps und darüber, wie vergänglich ihr Geld ist. Dann singen sie. Dies sowie der Tanz im Innern zeigen die ausgelassene und gelöste Atmosphäre, die beim sonntäglichen Wirtshausbesuch herrscht.

Als Woyzeck dann die Gesuchten zusammen vorübertanzen sieht, ist er fassungslos über diesen Treuebruch am helllichten Tag und in aller Öffentlichkeit. Er war sich also bis zu diesem Moment noch nicht sicher, ob Marie ihn betrügt, obwohl er sie bereits mit dem Tambourmajor zusammen gesehen hat und der Hauptmann ihn auch noch zusätzlich darauf aufmerksam gemacht hat. Dass es sich um mehr als einen harmlosen Tanz handelt, erkennt Woyzeck daran, wie der Tambourmajor Marie während des Tanzes anfasst. Auch Marie ist leidenschaftlich und möchte nicht, dass der Tanz endet.


Ein Handwerksbursche predigt zeitgleich ironisch darüber, dass Gott jedem Menschen planvoll seine Bestimmung zugedacht hat und dass alles Irdische vergänglich ist. Dies muss für Woyzeck wie blanker Hohn klingen, da es dann seine Bestimmung ist, sich zur Sicherung von Maries Lebensunterhalt abzurackern, nur dass ihm alles wieder genommen wird.

Szene 12 – Freies Feld. Woyzeck

Da Woyzeck den Anblick von Marie und dem Tambourmajor nicht mehr ertragen hat, ist er ins Feld gelaufen und hat wieder einen Wahnsinnsanfall (vgl. Szene 1). Er meint zuerst noch die Musik zu hören und Maries „Immer zu! immer zu!“ (S. 30 Z. 1), das während des Tanzens zum Tambourmajor gesagt hat.

Dann meint er, dass Stimmen aus dem Boden kommen, die ihn auffordern, Marie zu erstechen. Er zögert noch, wird aber sicher, es tun zu müssen, als er meint, dass der Wind dies auch will. Die Aufforderung ist damit um ihn herum, da sie von unten und oben kommt. Das zeigt, dass Woyzeck in seinem Wahn gefangen ist und es keinen Ausweg gibt.

Woyzeck: Szenenanalyse Übersicht:


Autorin: Kirsten Schwebel

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