Woyzeck: Szenenanalyse / Interpretation Szene 19, 20 und 21

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 05. Februar 2020 um 20:53 Uhr

In Georg Büchners Drama „Woyzeck“ wird der arme und geistig verwirrte Soldat Franz Woyzeck zum Mörder von Marie Zickwolf, seiner Geliebten und Mutter ihres gemeinsamen unehelichen Sohnes Christian, weil sie ihn mit dem Tambourmajor betrogen hat. Hier findet ihr eine ausführliche und auf jede Szene eingehende Interpretation des Dramas. Die Reihenfolge der Szenen folgt der Lese- und Bühnenfassung von Reclam. Auf Zitate wurde aufgrund von abweichenden Seiten- und Zeilenzahlen in den verschiedenen Ausgaben weitestgehend verzichtet.

Woyzeck: Szenenanalyse Übersicht:

Szene 19 – Marie und Woyzeck

Diese Szene beinhaltet den Höhepunkt des Dramas, den Mord an Marie. Woyzeck ist mittlerweile mit Marie aus der Stadt heraus gegangen. Sie will zurück, weil es bereits dunkel ist und kalt wird. Er will aber nicht, dass sie geht und fordert sie auf, sich zu ihm zu setzen. Marie sagt, dass sie fortmüsse, was vermutlich damit zusammenhängt, dass sie sich um Christian kümmern muss.


Woyzeck kann Marie nicht einfach töten, deshalb ist er auch schon eine ganze Weile mit ihr unterwegs und sucht das Gespräch mit ihr. So fragt er sie, ob sie denn weiß, wie lange sie schon zusammen sind. Marie weiß das, es sind etwas mehr als zwei Jahre. Das heißt, dass Marie sehr schnell schwanger wurde, nachdem sie mit Woyzeck zusammengekommen ist. Als Woyzeck sie dann fragt, wie lange sie noch zusammenbleiben, geht Marie nicht darauf ein, sondern wendet ein, dass sie zurückgehen will, weil es Nacht wird. Sie weiß scheinbar selbst nicht so genau, was oder besser wen sie eigentlich will.

Auf der einen Seite ist da Woyzeck, der Vater ihres Kindes, der für ihren Unterhalt sorgt und auf der anderen Seite gibt es den Tambourmajor, der großartig aussieht und ihr teure Geschenke macht. Woyzeck gefällt nicht, dass sie ihm ausweicht, das stachelt seine Mordlust an. Er findet Maries Lippen im doppelten Sinn heiß, zum einen hat sie einen heißen „Hurenatem“ (S. 36, Z. 15f) und zum anderen erregt ihn der Anblick ihrer Lippen, da er sie gerne noch einmal küssen möchte. Er prophezeit ihr, dass sie bis zum Morgen nicht mehr friert, da sie bis dahin kalt und damit tot sein wird. Trotz seines Zögerns hat Woyzeck nicht vor, Marie leben zu lassen. Er hat scheinbar zu sich selbst gesprochen, da Marie ihn fragt, was er gesagt hat. Er hat aber nicht den Mut seine Worte zu wiederholen.


Marie weist darauf hin, dass der Mond aufgeht und er rot ist. Das ist für Woyzeck das entscheidende Stichwort, da er ihn an ein blutiges Messer erinnert. Er setzt sein Vorhaben sogleich in die Tat um und sticht mehrfach auf Marie ein, bis sie tot ist. Marie ruft zwar noch um Hilfe und versucht, Woyzeck von der Tat abzuhalten, aber er ist nicht zu bremsen. Er ist wie in einem Blutrausch und sticht immer wieder auf sie ein, bis er sicher ist, dass sie tot ist. Dann hört er Leute kommen und läuft davon. Hier sieht man auch wieder die schlechte Vorbereitung, da er keinen Ort gewählt hat, der abgeschieden genug ist, dass er weder gestört noch die Leiche gefunden wird.

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Szene 20 – Es kommen Leute

Zwei Personen werden Ohrenzeugen des Mordes. Während die eine Person meint, man hört einen sterbenden Menschen, sucht die andere ängstlich und abergläubisch nach übernatürlichen Erklärungen und will schnell weg. Das zeigt den Volksaberglauben und die Unwissenheit des gemeinen Volkes. Die erste Person bringt die andere aber dazu, zum Tatort zu gehen, um nachzusehen, was passiert ist

Szene 21 – Das Wirtshaus

Woyzeck ist nach seiner Tat gut gelaunt im Wirtshaus und sagt: „Tanzt alle, immer zu“ (S. 37, Z. 17), was an Maries „immer zu“ (S. 28, Z. 30) erinnert. Damit spottet er über sie, da sie nun nicht mehr mit dem Tambourmajor tanzen und ihn betrügen kann. Dann singt er dasselbe Soldatenlied wie Andres sonntags in der Wachstube (vgl. Szene 10). So unbeschwert war er zuvor noch nie, da er sonst von seiner Sorge um den Lebensunterhalt bestimmt war. Diese Last ist nun durch Maries Tod von ihm genommen, wobei er aber nicht an seinen Sohn denkt.


Als es ihm später beim Tanz mit Käthe zu warm wird, setzt er sich mit ihr hin. Die Hitze, die er empfindet, kommt nicht nur vom Tanzen, sondern ist auch eine Folge seiner Tat. Während er beim Mord im Blutrausch war ist er jetzt wie in einem Siegestaumel und er ist berauscht von Maries Tod. Dann macht er Andeutungen über den begangenen Mord, indem er Käthe erklärt, dass der Teufel eine Frau holt und eine andere nicht und dass auch Käthe irgendwann tot sein wird. Diese düsteren Reden kann sie nicht verstehen, da sie keine Ahnung hat, was vorgefallen ist. Als er sie auffordert zu singen, kommt sie seiner Bitte nach.


Nach kurzer Zeit entdeckt sie Blut an seiner Hand. Das zieht auch die Aufmerksamkeit weiterer Gäste auf sich. Woyzeck erschrickt, weil er nicht aufgepasst hat und behauptet, sich geschnitten zu haben. Der Wirt entdeckt dann aber am Ellenbogen des gleichen Arms noch mehr Blut. Dazu sagt Woyzeck, er habe damit das Blut von der Hand abgewischt und merkt in seiner Aufregung nicht, dass dies nicht möglich ist. Dem Wirt fällt dies aber sehr wohl auf und auch der Narr beginnt analysierend einen Märchenfetzen von sich zu geben, in dem es darum geht, dass ein Riese Menschenfleisch riecht, welches für ihn stinkt.

Das kann man so deuten, dass die Leute der Riese sind und Woyzeck der Mensch, der gefunden wird. Woyzeck fühlt sich immer weiter in die Ecke gedrängt und merkt, dass er so gut wie überführt ist. In seiner Panik gibt er selbst den entscheidenden Tipp, indem er fragt, ob ihn jemand für einen Mörder hält. Zu spät wird ihm bewusst, dass er sich damit verraten hat, da die Leute ihn sofort als wahrscheinlichen Täter benennen können, wenn Maries Leiche gefunden ist. Deshalb ergreift er die Flucht und rennt aus dem Wirtshaus.

Woyzeck: Szenenanalyse Übersicht:


Autorin: Kirsten Schwebel

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