Kabale und Liebe: Die Gattung des bürgerlichen Trauerspiels

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 12. August 2020 um 15:44 Uhr

Bei Schillers Stück Kabale und Liebe handelt es sich um ein bürgerliches Trauerspiel., wie es bereits im Untertitel angekündigt wird. Das heißt, der Held der Tragödie entstammt dem Bürgertum, was zur damaligen Zeit unüblich war. Schiller durchbricht die Regeln der klassischen Tragödie, wie die folgenden Ausführungen zeigen.


Die ersten bürgerlichen Trauerspiele in Deutschland stammen von Lessing mit „Miss Sara Sampson“ und „Emilia Galotti“. Vorbilder für seine Tragödien sind die der französischen Klassik, die sich mit den Stoffen der griechischen Tragödie oder nationalen Helden der Gegenwart befassen. Die Hauptperson war dort immer eine herausragende Person aus dem Hochadel, wie ein König, Fürst oder Heerführer.

Man nennt dies die Ständeklausel, die damit begründet wird, dass es das Publikum mehr ergreift, wenn ein König alles verliert als z.B. ein Handwerker. Die französischen Tragödien waren außerdem in Versen geschrieben und folgten bei Aufbau und Abfolge der Szenen strengen Regeln.


Dem gegenüber steht das bürgerliche Trauerspiel, dessen Held eine nichtadelige Person ist. Bei „Kabale und Liebe“ ist es Luise Miller und das Stück handelt von ihrem privaten Glück. Das Ideal ist die Familie, die von Liebe, Fürsorge und Geborgenheit geprägt ist.

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Deutlich wird dies in Schillers Stück auch an Ferdinand, der genau dieses häusliche Glück sucht und dem das Machtstreben seines Vaters fremd ist. Außerdem hat ein bürgerliches Trauerspiel nicht so eine starre Form wie eine französische Tragödie und es ist in Prosa verfasst.


Der Titel „Kabale und Liebe“ legt dem Namen nach eine klassische Tragödie nahe, da der Begriff „Kabale“ das Ränkespiel bezeichnet, das bei Hofe üblich ist. Ursprünglich wollte Schiller sein Stück „Luise Millerin“ nennen. Hier wird deutlich, dass es sich um eine bürgerliche Heldin handelt, aber der Titel ist wenig aussagekräftig.

Durch die Änderung in „Kabale und Liebe“ verschiebt sich das Augenmerk von der Hauptperson auf die Handlung und der Grundkonflikt wird direkt deutlich, wodurch eine größere Publikumswirkung erreicht wird.


Autorin: Kirsten Schwebel



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