Kabale und Liebe: Interpretation – Adel und Bürgertum

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 12. August 2020 um 15:43 Uhr

In Schillers Stück Kabale und Liebe unterscheiden sich die Verhaltens- und Denkweisen von Adligen und Bürgerlichen sehr stark. Während das Leben des Adels von Intrigen und Täuschungen geprägt ist, sind die Bürger wahrhaftig und aufrichtig. Die einzigen Ausnahmen bilden jeweils Ferdinand und Wurm. Dieser Artikel geht auf den Adel und das Bürgertum ein.

Adel
Die Vertreter des Adels sind durchweg intrigant und täuschen ihr Umfeld. Dies beginnt schon beim Herzog, der Lady Milford hintergeht. Er hat ihr nämlich versprochen, den Soldatenhandel einzustellen, damit sie ihm als seine Mätresse an den Hof folgt. Allerdings betreibt er den Soldatenhandel heimlich hinter ihrem Rücken weiter. Neben ihr hintergeht er auch seine zukünftige Gemahlin. Diese will, dass Lady Milford geht, was zum Schein geschehen soll, indem die Lady Ferdinand von Walter heiratet. Sie bleibt dann als dessen Gemahlin in der Nähe des Hofs und kann dem Herzog auch weiter zur Verfügung stehen.

Durch diesen Plan wird der Herzog aber zum Betrogenen Betrüger, da er nicht weiß, dass Lady Milford sich in Ferdinand verliebt hat und mit diesem den Hof verlassen will. Sie war es auch, die Ferdinand als Heiratskandidaten ins Spiel gebracht hat. Sie baut genauso auf die Hofkabale wie die anderen Mitglieder des Adels, wobei es ihr aber nicht darauf ankommt, ihre Position zu festigen oder aufzusteigen, sondern sie will sie nutzen, um den ungeliebten Hof verlassen zu können.

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Der Präsident bedient sich der Intrige sehr ausgiebig. Ihr verdankt er seinen Aufstieg in sein Amt, da er seinen Vorgänger durch ein Attentat beseitigt hat. Außerdem will er durch die Verheiratung seines Sohnes seine Macht weiter ausbauen und den Einfluss seiner Familie am Hof festigen. Damit diese Ehe zustande kommt, intrigiert er mehrfach. So bietet er Ferdinand zum Schein die untadelige Gräfin von Ostheim als Gemahlin an, um ihn dann zur Ehe mit Lady Milford zwingen zu können, falls er das ablehnt. Außerdem will er Luise und Ferdinand mit allen Mitteln trennen und zwingt Luise dazu, einen Liebesbrief an den Hofmarschall zu schreiben.

Dieser wird seinem Sohn dann zufällig in die Hände gespielt und gibt erschütterten Ferdinand gegenüber den reuigen Vater, der sich in der Geliebten des Sohnes getäuscht hat. Dadurch kann er sich wieder mit seinem Sohn versöhnen und ist gleichzeitig Luise los.


Eine Ausnahme in Bezug auf Täuschungen und Intrigen bildet Ferdinand. Er ist aufrichtig und geradlinig, da er frei heraussagt, was er denkt und fühlt. Dies tut er gegenüber Luise, wenn er ihr seine Liebe gesteht, gegenüber der Lady, als er ihr ihren Lebenswandel vorwirft und gegenüber seinem Vater, als er Luise und seine Liebe zu ihr verteidigt und auch als er sich enttäuscht wieder mit ihm versöhnt. Lediglich am Ende täuscht er, zuerst Miller, den er unter einem Vorwand wegschickt und dann Luise, der er vergiftete Limonade zu trinken gibt. Das hat aber nichts mit der Hofkabale zu tun, da er auch sich selbst tötet und er aus Rache handelt und nicht, weil er persönliche Ziele am Hof verwirklichen will.


Die Adligen legen großen Wert auf ihr Äußeres, wie man beispielsweise am Hofmarschall sieht. Dessen Leben kreist fast ausschließlich um die neueste Mode. Außerdem lebt der Adel sexuell sehr freizügig. Affären und Liebschaften sind an der Tagesordnung und auch bei einer Hochzeit wird nicht erwartet, dass die Braut jungfräulich in die Ehe geht. Es ist im Gegenteil völlig normal, dass sie mit mehreren Männern der Hochzeitsgesellschaft sexuellen Verkehr hatte. Deshalb ist auch nicht verwerflich, die abgelegte Mätresse des Herzogs zu heiraten. Es ist im Gegenteil sogar eine Ehre, die Frau zu ehelichen, die dem Fürsten so nahe steht.


Bürgertum


Die Bürgerlichen vertreten Werte wie Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Gottesfürchtigkeit, was man deutlich an den Millers sieht. So geht Luise regelmäßig in den Gottesdienst und wird auch von ihrem Vater zur Frömmigkeit angehalten. Nachdem Wurm Luise den Liebesbrief an den Hofmarschall diktiert hat, schwören sie und später auch ihre Eltern einen kirchlichen Eid, nicht zu verraten, dass der Brief unecht ist. Diesen Eid würde keiner von ihnen brechen, da er ihnen heilig ist. Im Bürgertum gilt das gegebene Wort etwas. Luise quält es allerdings lügen zu müssen, da sie immer ehrlich ist.


Intrigen für das eigene Fortkommen zu nutzen, ist den Bürgern fremd. Ihnen sind ihr Ansehen und ihr guter Ruf wichtig. Die Affäre zwischen Ferdinand und Luise gefährdet beides, da erwartet wird, dass eine Frau bis zur Hochzeit jungfräulich bleibt. Ist es sie es nicht mehr, dann hat ihre Familie mit Verachtung zu rechnen.


Die Bürger gehen ihrer Arbeit nach und erhalten dafür ihren Lohn, wie man an Miller sieht. Er gibt Musikunterricht, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern. Dadurch gibt er sich verantwortungsvoll und fürsorglich. Genau wie seine Tochter sagt er auch gegenüber den Vertretern des Adels, was er denkt und fühlt. Er geht dabei sogar so weit, dass er den Präsidenten wegschicken will, als dieser seine Tochter beleidigt.

Auch Luise sagt dem Präsidenten und Lady Milford, was sie für Ferdinand fühlt. Daran sieht man die Ehrlichkeit in allen Situationen. Eine Ausnahme in Bezug auf die bürgerlichen Werte bildet Wurm. Er verhält sich eher wie ein Vertreter des Adels, da er intrigant ist. Er nutzt sein Wissen über die Bürger, um den Präsidenten zu beraten, welche Intrige am besten funktionieren wird, um Luise und Ferdinand zu trennen. Außerdem beteiligt er sich auch direkt an diesem Plan, indem er Luise den Brief persönlich diktiert.


Autorin: Kirsten Schwebel



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