Kabale und Liebe: Hintergrund – Absolutismus

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 12. August 2020 um 15:44 Uhr

Mit seinem Stück Kabale und Liebe übt Schiller Kritik an der damals geltenden absolutistischen Herrschaft, da sich der Adel auf Kosten seiner Bürger bereichert und das Volk der Willkür des regierenden Fürsten ausgesetzt ist. Dieser Artikel geht ausführlich darauf ein, welche Missstände Schiller in seinem Stück aufzeigt.


Die absolutistische Herrschaft basiert auf der Vorstellung, dass die regierenden Fürsten die Stellvertreter Gottes auf Erden sind und den göttlichen Willen ausüben. Sie sind unantastbar und jede Kritik an ihnen ist bereits ein Sakrileg, das schwer bestraft wird. Dadurch sind die Untertanen ihrer Willkür schutzlos ausgeliefert und schulden ihnen bedingungslosen Gehorsam. Dieses Prinzip spiegelt sich im Kleinen in der Familie. Hier ist der Vater die höchste Autorität und seinem Willen muss klaglos Folge geleistet werden.


In Schillers Stück wird diese Ordnung von allen Personen außer Ferdinand hingenommen. Er ist ein Rebell und lehnt sich gegen die Pläne seines Vaters und des Fürsten auf. Er soll nämlich die Mätresse des Fürsten, Lady Milford, heiraten, aber er ist in die bürgerliche Luise Miller verliebt und will mit ihr fliehen, nachdem sein Vater sich nicht umstimmen ließ.


Luise ist aber weniger rebellisch veranlagt und will die gesellschaftlichen Schranken nicht durchbrechen. Sie sieht ihren Platz bei ihrem Vater. Das zeigt, dass sie im Gegensatz zu Ferdinand in dem patriarchalen System verwurzelt ist und den Willen ihres Vaters als absolut anerkennt.

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Hintergrund – Absolutismus

Der Höhepunkt der Absolutismuskritik findet sich in der Kammerdienerszene (II,2). Hier überbringt ein Kammerdiener der Lady wertvolle Diamanten als Hochzeitsgeschenk des Fürsten und sie erfährt, dass diese durch Soldatenhandel bezahlt wurden.


Dadurch gehen ihr die Augen auf und sie verkauft das wertvolle Geschenk, um damit die Not des Volkes zu lindern. Die Szene zeigt, dass der Luxus am Hof durch den Verkauf von Untertanen gesichert wird und der Fürst dabei rücksichtslos vorgeht. Er betrachtet die Menschen als sein Eigentum, mit dem er verfahren kann, wie es ihm beliebt. Die Leute sind gezwungen, sich seinem Willen zu unterwerfen, da er alle, die Kritik üben, erschießen lässt. Dadurch traut sich niemand, sich zu wehren, sondern alle besteigen vermeintlich freiwillig das Schiff, um im Ausland für einen fremden Fürsten zu kämpfen.


Durch den Soldatenhandel werden Familien auseinandergerissen und Liebende getrennt. Dieses rücksichtslose Geschäft zeigt deutlich, dass es dem Fürsten nicht um das Glück und Wohlergehen seiner Untertanen geht, um die er sich eigentlich wie ein guter Vater kümmern müsste. Vielmehr zeigt sich hier seine Geldgier und sein fehlendes Nationalbewusstsein. Er baut seine Herrschaft auf dem Unglück seiner Untertanen auf und unterwirft sie seiner Willkür.


Durch die Kritik an diesem System zeigt sich Schiller als Anhänger der Aufklärung. Für ihn steht die Würde des Menschen im Mittelpunkt und damit verbunden sind Grundrechte, wie sie schon in der amerikanischen Verfassung niedergeschrieben wurden. Danach hat jeder das Recht auf Leben, Freiheit, Eigentum, Glück und Sicherheit, was im Gegensatz zu den Verhältnissen im absolutistischen Deutschland steht.


Hier sind alle Untertanen rechtslos und mit Standesunterschieden geboren. Da sich der Herrscher nur Gott gegenüber verantworten muss, sind die Untertanen von seiner Willkür abhängig.


Autorin: Kirsten Schwebel



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