Kabale und Liebe: Interpretation – Die Intrige

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 12. August 2020 um 15:43 Uhr

Schiller zeigt in seinem bürgerlichen Trauerspiel Kabale und Liebe, wie eine unstandesgemäße Liebesbeziehung an den Intrigen des Adels zerbricht und mit dem Tod der Protagonisten endet. Dieser Artikel geht ausführlich auf die Entwicklung und die Folgen der Intrige ein.

Der Test
Da Wurm von Frau Miller von der ernsthaften Beziehung zwischen Luise und Ferdinand weiß, will er sie schnellstmöglich auseinanderbringen. Er erzählt deshalb dem Präsidenten davon, weil er weiß, dass dieser seinen Sohn mit Lady Milford, der Mätresse des Herzogs, verheiraten will und er es aufgrund seines Machtstrebens nicht zulassen wird, dass diese Vereinbarung nicht zustande kommt.

Allerdings reagiert der Präsident erst einmal nicht wie erwartet, da er die Affäre nicht ernst nimmt und sich freut, dass sein Sohn so beliebt bei Frauen ist. Er durchschaut außerdem, dass Wurm die schöne Luise für sich haben will und nur aus Eifersucht handelt. Er beruhigt ihn aber trotzdem, indem er ihm mitteilt, dass Ferdinand Lady Milford heiraten soll und Luise dann frei ist. Wurm geht das aber noch nicht weit genug, da er der Meinung ist, dass Ferdinand diese Verbindung auch ablehnen könnte, weil er nicht die Mätresse mit ihrem zweifelhaften Ruf heiraten möchte.

Er schlägt daher vor, dass der Präsident seinem Sohn eine Frau mit bestem Ruf als Braut vorschlagen soll und sehen soll, ob er ablehnt. Wurm ist sich so sicher, dass er es tut, dass er selbst freiwillig drei Jahre ins Gefängnis gehen würde, falls er falsch liegt. Dies zeigt dem Präsidenten, dass an der Affäre wohl doch mehr dran sein muss und er will seinen Sohn so testen, wie Wurm es gesagt hat. Als Gegenleistung will Wurm, dass der Präsident ihm hilft, Luise zur Frau zu bekommen.

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Um den Druck auf Ferdinand zu erhöhen, der Heirat mit Lady Milford zuzustimmen, lässt der Präsident die Verlobung direkt vom Hofmarschall in der Residenz verkünden, bevor sein Sohn überhaupt davon weiß. Als er dann mit ihm spricht, bittet er ihn zuerst, sich ganz nach seinen Plänen zu richten, da er nur das Beste für ihn will. Aus seiner Sicht ist das eine politische Karriere am Hof. Er erklärt Ferdinand, dass er nur deshalb seinen Vorgänger im Präsidentenamt ermordet hat. Den Schrecken darüber und die daraus resultierende Ablehnung seines Sohnes kann er nicht verstehen, zumal er Ferdinands Karriere von Anfang gefördert hat.

So war er bereits mit zwölf Jahren Fähnrich und mit zwanzig Major, was sehr früh ist. Bisher hat Ferdinand sich nie gegen die Ambitionen seines Vaters gewehrt, aber seit seinem Studium an der Universität hat sich sein Denken verändert. Er hat sich von den Wünschen und Vorstellungen seines Vaters emanzipiert. Er sucht sein Glück in seinem Herzen und damit in der Liebe. Damit stößt er bei seinem Vater auf Unverständnis, weshalb er jedes Gespräch darüber abbricht, um Ferdinand zu verkünden, dass er noch am selben Tag Lady Milford heiraten wird.


Wie erwartet, sträubt sich Ferdinand gegen diese Verlobung, indem er auf seine Ehre pocht, die es nicht zulässt, eine abgelegte Mätresse zu heiraten. Nach einem leidenschaftlichen Plädoyer tut der Präsident so, als wäre dies ein Test gewesen und Ferdinand es nun wert, sich mit der untadeligen Friederike von Ostheim zu verloben. Als er aber auch das ablehnt – diesmal mit der Begründung, dass er sie nicht lieben könnte – wird sein Vater rasend vor Wut.

Er droht, ihn zu vernichten, falls er nicht die Lady heiratet und ihn als Lügner vor allen dastehen lässt, da die Verlobung mittlerweile überall bekannt ist. Außerdem soll Ferdinand sich in Acht nehmen, falls er herausfindet, dass eine andere Frau der Grund für seine Widerspenstigkeit ist. Dann lässt er seinen Sohn wie betäubt zurück.


Die Verhaftung


Ferdinand beugt sich zwar insofern dem Willen seines Vaters, dass er die Lady aufsucht, aber er macht aus seiner Ablehnung keinen Hehl. Nachdem sie ihm ihre Lebensgeschichte erzählt hat, hat er zwar Mitleid mit ihr, will sie aber dennoch nicht heiraten. Sie macht ihm aber klar, dass sie nicht auf ihn verzichten wird und alles in ihrer Macht Stehende daransetzen wird, dass die Hochzeit zustande kommt. Ferdinand eilt nach dem Gespräch verzweifelt zu Luise, um mit ihr eine mögliche Lösung zu besprechen.


Von Wurm weiß der Präsident bereits, dass Ferdinand eine Liebesbeziehung mit Luise Miller hat, daher war es vorher keine leere Drohung. Er setzt diese auch gleich in die Tat um und überrascht die Liebenden bei den Millers zu Hause, genau in dem Moment, als Ferdinand zu seinem Vater gehen will, um ihm mitzuteilen, dass er Luise heiraten wird. Da niemand mit ihm gerechnet hat, ist das Überraschungsmoment auf seiner Seite und er nutzt dies geschickt aus. Er verschafft sich zuerst einen Überblick über die Familie Miller und führt das Gespräch wie ein Verhör, um die Anwesenden einzuschüchtern.

Dies gelingt ihm allerdings vorerst nur bei den alten Millers. Luise beantwortet seine Fragen wahrheitsgemäß. Ferdinand versucht sich mehrfach ins Gespräch einzuschalten, wird aber immer wieder von seinem Vater zum Schweigen gebracht. Nachdem Luise ihm gesagt hat, dass sie sich gegenseitige Liebe geschworen haben, ändert der Präsident seine Taktik und beleidigt Luise als Hure. Das kann sie nicht fassen und wird beinahe ohnmächtig. Auch Miller bringt das in Rage und er droht damit, den Präsidenten hinauszuwerfen. Das macht den Präsidenten so wütend, dass er seinen ganzen Hass auf die Familie herabbeschwört. Er will Miller ins Gefängnis bringen und Luise und ihre Mutter an den Pranger stellen lassen.


Als die Gerichtsdiener kommen, um die Familie festzunehmen, stellt sich Ferdinand mutig vor seine Geliebte und verteidigt sie mit seinem Degen. Seinem Vater imponiert das aber nicht weiter und er befiehlt wiederholt, Luise festzunehmen. Er will unbedingt die Oberhand behalten und ist daher nicht bereit nachzugeben – nicht mal als Ferdinand droht mit Luise am Pranger zu stehen oder sie zu erstechen.

Der Präsident weiß, dass sein Sohn das nicht tun würde und gibt deshalb nicht nach. Er ergreift Luise selbst und übergibt sie den Gerichtsdienern. Allerdings hat er seinen Einfluss auf Ferdinand überschätzt. Dieser gibt nämlich keineswegs auf, sondern droht seinem Vater mit der Aufdeckung des Attentats auf den vorherigen Präsidenten. Darüber ist er zutiefst schockiert und lässt Luise frei, da er erkennt, dass es Ferdinand mit dieser Drohung ernst ist. Er hat nicht erwartet, dass sein Sohn so weit gehen würde und ihn für eine Frau opfern würde.


Der Brief


Zurück im Palast ist der Präsident enttäuscht, dass sein Plan nicht geglückt ist. Er wollte, dass Luise am Pranger steht, denn durch diese öffentliche Verletzung ihrer Ehre hätte Ferdinand sich von ihr trennen müssen. Als er zudem noch meint, er hätte sich zu schnell von Ferdinands Drohung einschüchtern lassen, zeigt Wurm ihm auf, dass sein Sohn diese Drohung als leidenschaftlicher Schwärmer durchaus wahr gemacht hätte.

Es sei geschickter, ihm den liebenden Vater vorzuspielen und zu versuchen, die Liebesbeziehung heimlich zu hintertreiben, indem man Misstrauen bei Ferdinand sät. Der listige Sekretär spinnt gleich einen Plan und es zeigt sich, wie gut er die beiden Liebenden einschätzen kann – ganz im Gegensatz zum Präsidenten.


Wurm hat erkannt, dass Ferdinands Leidenschaft sich auf alle Bereiche erstreckt. Das heißt, er ist genauso leidenschaftlich in der Liebe wie in der Eifersucht. Von daher reicht es, letztere zu schüren, so dass er Luise von sich aus verlassen wird und Lady Milford heiraten wird. Um das zu erreichen, soll ihm ein Liebesbrief in die Hände gespielt werden, den Luise an einen anderen Mann geschrieben hat. Da Luise diesen Brief nicht einfach so schreiben würde, muss sie an ihrem wunden Punkt getroffen werden und Wurm weiß, dass ihre Schwachpunkte Ferdinand und ihr Vater sind.

Da ersterer außen vor bleiben soll, ersinnt Wurm den Plan, Miller wegen Majestätsbeleidigung in Form seines Stellvertreters (des Präsidenten) mit einem Prozess mit möglichem Todesurteil bedrohen. Um der haltlosen Anschuldigung noch mehr Nachdruck zu verleihen, soll die Mutter gleich mitverhaftet werden. Die einzige Rettung soll dann darin bestehen, dass Luise den Brief schreibt.

Damit Ferdinand nicht die Wahrheit über den Brief erfährt, sollen die Millers bei ihrem Leben schwören nichts zu verraten. Wurm weiß, dass ein Schwur den Bürgern heilig ist und man nicht fürchten muss, dass sie ihn brechen. Als Adressat des Briefes wählen der Präsident und Wurm den Hofmarschall aus, da dieser vom Präsidenten abhängig ist und daher mitmachen wird. Während Wurm den Brief aufsetzt, lässt der Präsident die Millers in aller Stille verhaften und spricht mit dem Hofmarschall.


Um von Kalb zum Mitmachen zu bewegen, behauptet der Präsident, dass Ferdinand von den gemeinsam gefälschten Dokumenten wisse und drohe, diese Tatsache bekanntzumachen. Um noch mehr Druck auszuüben, behauptet er weiterhin, dass von Kalbs größter Rivale, Obermundschenk von Bock, der einzig verbliebene Bewerber um die Hand Lady Milfords sei. Damit hat er den Hofmarschall bei seinem Ehrgeiz gepackt, denn der Oberschenk wäre dann einflussreicher als er selbst und das kann er nicht auf sich sitzen lassen. Als der Präsident ihm dann auch noch in düsteren Farben ausmalt, was passieren würde, wenn er vom Hof entlassen wird, ist der Hofmarschall bereit alles zu tun, um das zu verhindern.


Wurm geht dann zu Luise und überbringt ihr die Nachricht von der Verhaftung ihrer Eltern und dem drohenden Prozess. Luise will daraufhin zum Herzog gehen, was Wurm unbedingt verhindern will, da der Herzog von nichts weiß und ihre Eltern sicher freilassen würde. Außerdem müsste der Präsident dann mit unangenehmen Folgen rechnen. Da Wurm weiß, wie wichtig Luise ihre Ehre ist, behauptet er, dass der Herzog als Gegenleistung von ihr verlangen würde, mit ihm das Bett zu teilen.

Das würde Luise niemals tun und gibt deshalb ihren Plan auf und fügt sich widerwillig in das Schreiben des Briefes. Als sie mehrfach abbrechen will, tut Wurm so, als ob er gehen wolle und macht ihr klar, dass sie dann am Tod ihres Vaters eine Mitschuld tragen wird und er sicher von ihr enttäuscht wäre, da er sich auf ihre Hilfe verlässt. Diese Drohungen zeigen Wirkung und sie schreibt den Brief nach Wurms Wünschen.


Die Wirkung


Ferdinand bekommt den Brief in die Hände und reagiert so leidenschaftlich und enttäuscht wie von Wurm erwartet, allerdings hat der Hofmarschall weniger Rückgrat als gedacht. Denn als Ferdinand ihn mit dem Brief konfrontiert und sich mit ihm duellieren will, gesteht er ihm, dass er Luise gar nicht kennt und der Präsident darin verwickelt ist. Ferdinand ist aber so rasend vor Eifersucht, dass er nicht richtig zuhört und dem Hofmarschall auch nicht glaubt. Er denkt, dass der Hofmarschall einfach nur feige ist und schickt ihn fort.


Der Präsident geht darauf zu seinem Sohn und spielt ihm den reuigen Vater vor, der sich in der Geliebten des Sohnes getäuscht hat und nun um Vergebung bittet. Er erlaubt sogar eine Hochzeit mit ihr. Ferdinand selbst bittet seinen Vater ebenfalls um Verzeihung, da er nun erkannt hat, dass er aus Liebe gehandelt hat und von Anfang an Recht hatte. Dass er seine Meinung über Luise so zum Positiven verändert hat, ist für Ferdinand ein Beweis für ihre Durchtriebenheit. Sie hat nicht nur ihn sondern auch seinen Vater getäuscht. Er versöhnt sich mit dem Präsidenten und eilt davon, um sich und Luise mit Gift zu töten.


Luises Vater wurde in der Zwischenzeit aus der Haft entlassen und eilt direkt zu seiner Tochter. Diese hat einen Brief an Ferdinand geschrieben, in dem sie ihm von dem erzwungenen Verrat ihrer Liebe schreibt und ihn bittet, sich mit ihr zusammen von einem Turm in den Tod zu stürzen, da sie dann im Jenseits für immer zusammen sein können. Sie hat den Brief geschrieben, weil sie dem Präsidenten keinen Sieg über ihre Liebe gönnen will und sie Ferdinand nicht durch eine Lüge verlieren will. Im Tod sind nämlich alle Eide aufgehoben und sie kann ihm endlich die Wahrheit sagen.

Miller liest den Brief und ist zutiefst schockiert. Er will seine Tochter auf keinen Fall verlieren und bringt sie nach langem Argumentieren dazu, den Brief zu zerreißen. Er appelliert an ihre Vaterliebe und dass sie ihn zerstören wird, wenn sie sich tötet. Das bringt sie nicht übers Herz, will aber mit ihrem Vater fortgehen von dem Ort, an dem sie alles an ihr einstiges Glück erinnert und ihr guter Name nun beschmutzt ist. Miller stimmt sofort zu.


Da kommt Ferdinand und konfrontiert sie mit dem Brief. Ihr Vater appelliert an ihre Standhaftigkeit und ihre eben getroffene Vereinbarung. Luise hält sich daran und behauptet, dass der Inhalt der Wahrheit entspricht. Dies veranlasst Ferdinand seinen Plan in die Tat umzusetzen. Er erbittet von Luise ein Glas Limonade und gibt Miller Geld, angeblich um seine Musikstunden zu bezahlen, aber in Wahrheit ist es ein Blutgeld für den Tod seiner Tochter.

Dass es so viel Geld ist, rechtfertigt er vor Miller damit, dass er das Land verlassen will und es nicht mehr brauchen kann. Außerdem soll es ein Geschenk für die schöne Zeit mit Luise sein. Miller schluckt den Köder und macht eifrig Pläne für Luises Zukunft.


Als Luise mit der Limonade kommt, schickt Ferdinand Miller mit einem Brief zum Präsidenten, um mit Luise allein zu sein. Während sie ihren Vater hinausbegleitet, vergiftet er heimlich die Limonade. Nachdem er davon getrunken hat, gibt er auch ihr etwas. Er will unbedingt von ihr wissen, ob sie ihn wirklich niemals geliebt hat, denn das kann er nicht glauben. Er braucht Gewissheit, bevor sie beide tot sind. Sterbend gesteht sie ihm dann die Wahrheit und vergibt ihm, dass er sie tötet. Außerdem legt sie auch ihm ans Herz seinem Vater zu vergeben, während Ferdinand rasend vor Wut wird.


Als der Präsident dazukommt, gibt er ihm die Schuld an Luises Tod. Dass sein Sohn zum Mörder wird, lag nicht in der Absicht des Präsidenten. Er ist schockiert und weist seine Mitschuld von sich, indem er alles Wurm anlastet. Das führt dazu, dass Wurm alle dunklen Geheimnisse des Präsidenten in einem Prozess aufdecken will und ihn dadurch mit an den Galgen bringen will. Der Präsident erkennt, dass er alles verloren hat und fleht seinen Sohn noch um Vergebung an, damit er später in Frieden sterben kann. Als Ferdinand ihm sterbend die Hand zur Vergebung reicht, ist er bereit sich verhaften zu lassen.


Autorin: Kirsten Schwebel



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