Nathan der Weise: Epoche

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Donnerstag, 28. Dezember 2017 um 18:52 Uhr

Lessings Stück Nathan der Weise ist ein typisches Werk der Aufklärung, in dem der Autor die Wunschvorstellung eines friedlichen Miteinanders von Judentum, Christentum und Islam entwirft. Die Basis dafür bilden aufgeklärte und tolerante Menschen, wie sie im Nathan vorkommen.


Die berühmteste Definition von Aufklärung liefert Immanuel Kant, der sagt: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ Bereits in diesem einen Satz stecken einige Aspekte. So ist der Mensch von Natur aus mündig und frei. Umgekehrt bedeutet das, dass es nicht natürlich ist, von anderen unterdrückt oder in Unfreiheit gehalten zu werden.

Ist dies aber der Fall, dann ist diese Unmündigkeit selbst verschuldet, wenn man zu faul oder zu feige ist, sich gegen diese Bevormundung aufzulehnen. Auflehnung ist aber nicht im Sinne eines kriegerischen Aufstandes gemeint, sondern man soll seine Vernunft benutzen und öffentlich seine Meinung sagen. Dadurch wird der lang dauernde Prozess einer umfassenden Aufklärung der Bevölkerung angestoßen, da es dadurch zum Dialog und der Weiterentwicklung der Menschen kommt.


Überträgt man Kants Verständnis von Aufklärung auf Lessings Stück, dann zeigt sich eine große Übereinstimmung. Die Nutzung des Verstandes ist ein zentrales Element und die Vernunft gilt als absolut. Sie kommt noch vor Glaube und religiösen Ansichten. An Recha, dem Tempelherrn und Saladin sieht man, dass sie die geforderte Vernunft in sich tragen und zu kritischer Reflexion fähig sind.

Durch Nathans Unterweisung wird dieser Prozess weiter angestoßen, so dass sie im Sinne Kants mündig werden können. Der Klosterbruder verkörpert dagegen ein Zwischending, denn er ist einerseits gegenüber dem Patriarchen loyal, zeigt aber gegenüber Nathan und dem Tempelherrn, dass er dessen Ansichten nicht teilt. Bei ihm fehlt also noch das Äußern von Kritik gegenüber seiner Obrigkeit. Der Patriarch steht dagegen klar für eine bevormundende Instanz, da er lediglich an Macht und eigenen Interessen orientiert ist. Er strebt nicht nach Erkenntnis und aus seiner Sicht muss sich die Vernunft dem Glauben unterordnen. Damit verzögert er den Prozess der Aufklärung.


Das Ziel der Aufklärung zeigt sich deutlich im Schluss des Stücks, denn hier wird eine Utopie des uneingeschränkten Miteinanders in Liebe und Toleranz gezeigt. Alle sind glücklich und respektieren sich gegenseitig, unabhängig von ihrer Religion und ihrem Hintergrund. Auf die Spitze getrieben wird dies noch durch die verwandtschaftlichen Beziehungen, die nun offen liegen. Die anwesenden Personen sind alle bereit zur friedlichen Auseinandersetzung mit den übrigen.

Es fehlen Daja und der Patriarch, weil sie ihren Prinzipien treu bleiben und nicht zum Dialog bereit sind sowie Al-Hafi, der als Aussteiger neben der Gesellschaft steht. Die Wunschvorstellung im Schluss zeigt durch ihre Irrealität und ihre Entfernung von Zeit und Ort. Lessings übt dadurch Kritik an seiner Zeit, da seine Realität ganz anders aussieht.

Hinweis:

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Autorin: Kirsten Schwebel

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