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Nathan der Weise: Interpretation / Analyse 3. Aufzug

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Donnerstag, 28. Dezember 2017 um 18:52 Uhr

Lessing schafft mit seinem Stück Nathan der Weise ein Sinnbild der Toleranz, da sich am Ende zeigt, dass die verschiedenen Personen und Anhänger verschiedener Religionen miteinander verwandt sind. Dieser Artikel interpretiert das Stück ausführlich und geht auf jeden Auftritt ein.

Übersicht Aufzüge:

Dritter Aufzug

1. Auftritt:
Recha kann es kaum erwarten, dass der Tempelherr endlich zu Besuch kommt. Auch Daja geht es so, wobei sie allerdings bereits eine mögliche Hochzeit der beiden im Blick hat. Sie wünscht sich, dass Recha mit dem Tempelherrn nach Europa zieht und deutet Recha gegenüber an, dass ihr wahres Volk dort lebt. Ihr Schützling versteht das natürlich nicht und kritisiert Dajas Denkweise, die so anders ist als die vernünftige, die Nathan lehrt. Recha fühlt sich daher von Dajas Reden manchmal regelrecht benebelt, da diese es auch war, die ihr eingeredet hat, dass der Tempelherr ein Engel ist.

Sie kann auch mit den christlichen Märtyrern, von denen Daja ihr oft erzählt hat, nicht viel anfangen. Sie bewundert zwar deren Glauben, aber die beschriebenen Wunder lassen sich nicht mit ihrem Vernunftdenken vereinbaren. Sie erinnert Daja daran, dass sie ihr doch gemeinsam mit Nathan vieles beigebracht hat und dass sie nun nicht dagegen sprechen soll. An diesen Reden Rechas erkennt man, dass sie sich wieder ganz auf das besonnen hat, was ihr Vater ihr beigebracht hat und seine Anwesenheit ausreicht, dass Dajas Einfluss auf sie sinkt.


2. Auftritt:
Der Tempelherr kommt zu Besuch und Recha empfängt ihn sehr spöttisch. Sie vergleicht ihn in Bezug auf ihre Rettung mit der Passivität eines Wassereimers und dem Abgerichtetsein eines Hundes, der Dinge apportiert. Ihre Ablehnung ist aber nur gespielt, da sie vorher sein Erscheinen kaum erwarten konnte. Bei dem Tempelherrn bewirkt das, dass er sie bewundert und sich in sie verliebt. Sie bringt ihn dermaßen in Verlegenheit, dass es ihm während des Gesprächs teilweise sehr schwer fällt in ganzen Sätzen zu antworten.

Da er sich zunehmend unwohl fühlt, sucht er eine Ausrede, um zu gehen. Er behauptet, er habe sich mit Nathan am Kloster verabredet und es sei sehr wichtig, dass er nun dorthin geht und auf ihn wartet. Außerdem spricht er noch davon, dass sie alle in Gefahr sind, wenn er nicht geht. Um welche Gefahr es sich handelt, führt er allerdings nicht aus.

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Nathan der Weise Interpretation 3. bis 7. Auftritt


3. Auftritt:
Der Tempelherr lässt Recha verwirrt zurück, da sie die angedeutete Gefahr und sein Verhalten nicht versteht. Daja durchschaut allerdings die Gefühle des Tempelherrn und forscht bei Recha nach, ob diese sich ebenfalls verliebt hat. Das ist aber nicht der Fall, was Recha selbst erstaunt. Sie schätzt ihren Retter weiterhin sehr, fühlt sich aber lediglich nur noch freundschaftlich mit ihm verbunden, im Gegensatz zu ihren Gefühlen vor seinem Besuch.


4. Auftritt:
Saladin wartet ungeduldig auf Nathan. Außerdem ist sehr aufgeregt, da er Nathan in eine Falle locken will, um an sein Geld zu kommen. Darin ist er aber nicht geübt und spricht mit Sittah darüber, was passiert, wenn Nathan tatsächlich so weise ist, wie Al-Hafi mal behauptet hat. Sittah beruhigt ihn, indem sie sagt, dass die Falle nur zuschnappt, wenn der Jude geizig und furchtsam ist. Außerdem hat ihr Bruder das Vergnügen zu sehen, wie Nathan sich aus der Falle windet. Sie macht ihm weiterhin noch Mut, indem sie ihm klar macht, dass Saladin als Moslem über dem Juden steht.

Sie kann seine Zweifel zwar nicht ganz zerstreuen, aber der Sultan fühlt sich nun bereit, Nathan entgegenzutreten. Allerdings schickt er Sittah weg, da er sich unter Beobachtung unwohl fühlen würde. Er will auch nicht, dass sie im Nebenzimmer lauscht. Dies tut sie wohl öfter und Saladin sagt ihr, dass er nachsehen wird, dass sie wirklich nicht da ist.


5. Auftritt:
Saladin schmeichelt Nathan, worauf dieser aber bescheiden reagiert. Nathan bietet dem Sultan dann seine Waren an und als dieser darauf ablehnend reagiert, meint er, dass Saladin von ihm wissen will, was er über den Feind auf seiner Reise erfahren hat. Aber auch das will der Sultan nicht wissen, sondern er fragt ihn rundheraus, welche Religion er für die wahre hält. Als Begründung führt er noch an, dass Nathan als weiser Mann darüber nachgedacht haben muss und Gründe dafür hat, welche die beste Religion ist.

Er bedrängt ihn, ihm eine Antwort zu geben, gestattet ihm dann aber doch einen kurzen Moment Bedenkzeit. Er geht derweil ins Nebenzimmer, da er erwartet, dass Sittah trotz seines Verbots lauscht. Er will die Bestätigung von ihr, dass er die Falle geschickt ausgelegt hat.


6. Auftritt:
Nathan ist allein und wundert sich, dass Saladin nicht sein Geld wollte, wie Al-Hafi es ihm gesagt hatte. Er wundert sich außerdem über die Frage nach der wahren Religion und in ihm keimt der Verdacht auf, dass diese Frage eine Falle sein könnte, da Saladin zu schnell darauf gekommen ist. Er hat sich nicht vorsichtig in Richtung Religion vorgetastet, sondern ist direkt mit der Tür ins Haus gefallen.

Nathan befindet sich nun in einem Dilemma, denn wenn er sagt, dass das Judentum die wahre Religion ist, beleidigt er den Sultan und wenn er sagt, dass der Islam die wahre Religion ist, dann müsste er eigentlich dorthin konvertieren. Als Ausweg fällt ihm ein, dass er dem Sultan eine Geschichte erzählen kann. Diese waren im Orient sehr beliebt und Geschichtenerzähler waren sehr angesehen. Nathan erwartet Saladin zurück und gibt sich kämpferisch.


7. Auftritt:
Der Sultan kommt zurück und fordert eine Antwort von Nathan. Dabei betont er, dass er ganz offen reden könne, da sie niemand hören kann. Für Nathan spielt das aber keine Rolle und er bittet darum, dem Sultan zuerst eine Geschichte erzählen zu dürfen. Dieser willigt ein und Nathan erzählt die Ringparabel. Darin hat ein Vater einen wertvollen Ring, der die Zauberkraft hat, vor Gott und den Menschen angenehm zu machen, wenn man ihn im Glauben an diese Kraft trägt. Der Ring wird immer an den liebsten Sohn vererbt und dieser wird dann zum Vorsteher der Familie. Eines Tages hat aber ein Vater seine drei Söhne alle gleich lieb und kann sich nicht entscheiden. Deshalb lässt er zwei Duplikate anfertigen und kann die Ringe selbst nicht mehr unterscheiden. Er schenkt jedem Sohn einen Ring und stirbt. Die Söhne streiten sich, ohne zu einer Lösung zu gelangen.


Nathan sagt, dass sich die Söhne in der gleichen Lage befinden, wie er und Saladin in Bezug auf die richtige Religion. Der Sultan kann nicht glauben, dass das die Antwort auf seine Frage sein soll. Er führt an, dass die Religionen sich doch im Gegensatz zu den Ringen durch Kleider- und Speisegebote sehr wohl unterscheiden. Dem stimmt Nathan zu, jedoch entgegnet er, dass sich die Religionen alle auf ihre Geschichte gründen und jeder der Überlieferung seiner Familie glaubt, da er von diesen Menschen geliebt wird und sie deshalb nicht lügen würden. Dies trifft auf die Anhänger jeder Religion zu. Diese Antwort beschämt Saladin und er schweigt.


Dann erzählt Nathan seine Geschichte weiter. Die drei Söhne ziehen nun vor Gericht, aber auch der Richter kann ihnen nicht helfen, denn sonst müssten ja zwei Brüder einen am meisten lieben. Da das nicht der Fall ist, vermutet er, dass der echte Ring gar nicht mehr existiert. Er gibt ihnen dann aber den Rat, dass jeder von ihnen glauben soll, dass sein Ring der echte ist und im Laufe der Zeit wird sich dann zeigen, welcher Ring der echte war. Sie sollen in einen Wettstreit um den wahren Ring treten und vorurteilsfrei und gut leben.

Dann wird irgendwann ein weiserer Mann sagen können, welches der echte Ring ist. Nathan fragt darauf den Sultan, ob er dieser Mann ist. Er gibt die Frage nach der wahren Religion also an diesen ab. Saladin reagiert betroffen und fühlt sich gar nicht mehr überlegen. Im Gegenteil sieht er sich als ein Nichts an und will Nathans Freund sein. Er hat also einen Erkenntnisprozess durchgemacht und ist nun in der Lage, dem Juden auf Augenhöhe zu begegnen.


An der Reaktion des Sultans erkennt Nathan, dass die Frage nach der wahren Religion tatsächlich eine Falle war und ihm ist klar, dass dieser eigentlich sein Geld wollte. Da sie nun Freunde sind und er nichts mehr zu befürchten hat, tut er so, als ob er sein Geld loswerden will. Er bietet es Saladin an und behauptet, dass dieser ihm einen Gefallen täte, wenn er es nähme, da er zu viel Bargeld daheim habe, um es sicher zu verwahren. Darauf reagiert Saladin erneut betroffen und gesteht, dass er genau das von ihm wollte.

Nathan lenkt dann noch geschickt des Gespräch auf den Tempelherrn, indem er sagt, dass er diesen erst bezahlen müsste, bevor er Saladin den Rest des Geldes schicken kann. Dabei will der Tempelherr gar kein Geld, aber Nathan kann mit Saladin über diesen sprechen. Damit bringt er ihn wieder in dessen Erinnerung und bewirkt, dass der Sultan von der guten Tat des Tempelherrn erfährt und ihn schnellstmöglich sehen will, um ihn auch Sittah zu zeigen.

Nathan der Weise Analyse 8. bis 10. Auftritt


8. Auftritt:
Der Tempelherr wartet unter den Palmen in der Nähe des Klosters auf Nathan und ist sehr aufgewühlt durch die Begegnung mit Recha. Er hat sich sofort in sie verliebt und will nicht mehr ohne sie leben. Er ist bereit, seine Vorurteile gegenüber den Juden ganz und gar abzulegen. An seinen Orden sieht er sich nicht mehr gebunden, da er durch seine Gefangennahme bereits für diesen verloren war.

Außerdem fühlt er sich wie ein neuer Mensch und vieles, was ihm vorher wichtig war, wie z.B. der Kreuzzug, erscheint ihm nun wie Einflüsterungen. Er hat sich davon befreit und denkt nun anders und erinnert sich an die Geschichten über seinen Vater, dem er sich sehr verbunden fühlt.


9. Auftritt:
Nathan trifft den Tempelherrn und will ihn mit zum Sultan nehmen, nachdem er zu Hause das Geld für diesen angewiesen hat. Der Tempelherr will aber sein Haus nicht eher betreten, als bis Nathan ihm eine Hochzeit mit Recha versprochen hat. Nathan reagiert aber wider Erwarten verhalten und will erst genaueres über den Vater des Tempelherrn wissen.

Mehr als dass dieser den gleichen Namen trägt und ebenfalls Tempelritter war, findet Nathan allerdings nicht heraus. Er kannte den Vater aber und betont, dass er doch noch gar nicht nein gesagt hat und ihm bisher noch keine Bitte abgeschlagen hat. Da beruhigt sich der Tempelherr wieder und will auf Nathan warten, während dieser kurz nach Hause geht.


10. Auftritt:
Der Tempelherr wartet immer noch aufgewühlt von der Begegnung mit Recha auf Nathan, als Daja ihn aus einem Versteck heraus anspricht. Sie zieht ihn hinter einen Baum, damit Nathan sie nicht sehen kann. Dann sagt sie ihm, dass es um ein doppeltes Geheimnis geht, das sie mit ihm besprechen will. Ein Geheimnis habe er und das andere sie. Der Tempelherr hat keine Ahnung, wovon sie eigentlich spricht und Daja rückt erst nach und nach damit heraus, dass sie wissen will, ob der Tempelherr sich in Recha verliebt hat.

Als er dies zugibt, fordert sie ihn auf, Rechas Seele zu retten, indem er sie heiratet. Das versteht der Tempelherr nicht, zumal auch Nathan der Heirat noch im Wege steht. Daja versichert aber, dass das kein Problem sein wird und Nathan nachgeben wird. Sie zögert noch ein wenig, ihr Geheimnis preiszugeben, da sie doch ihr Gewissen gegenüber Nathan plagt, aber dann offenbart sie dem Tempelherrn, dass Recha eine Christin ist und Nathan nicht ihr leiblicher Vater.


Der Tempelherr kann das erst nicht recht glauben und verfällt in seine alten Vorurteile, als er hört, dass Nathan nie vorhatte, Recha die Wahrheit zu sagen. Das sieht er als Sünde an und will nun überlegen, wie er mit diesem Wissen umgeht. Außerdem will er Nathan erstmal nicht begegnen, weshalb Daja ihm sagen soll, dass sie sich beim Sultan treffen.


Daja bittet ihn noch darum, sich Nathan gegenüber nichts anmerken zu lassen. Sie hat nun doch ein schlechtes Gewissen und betont, dass dieses Geheimnis nur dazu dienen soll, dass er und Recha heiraten können. Sie ist an einer Hochzeit so interessiert, weil sie hofft, dass der Tempelherr Recha dann mit nach Europa nimmt und sie selbst dann auch wieder zurück in die Heimat kann.

Autorin: Kirsten Schwebel

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