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Nathan der Weise: Interpretation / Analyse 5. Aufzug

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Donnerstag, 28. Dezember 2017 um 18:52 Uhr

Lessing schafft mit seinem Stück Nathan der Weise ein Sinnbild der Toleranz, da sich am Ende zeigt, dass die verschiedenen Personen und Anhänger verschiedener Religionen miteinander verwandt sind. Dieser Artikel interpretiert das Stück ausführlich und geht auf jeden Auftritt ein.

Übersicht Aufzüge:

Fünfter Aufzug

1. Auftritt:
Al-Hafi ist für den Sultan immer noch unauffindbar, weshalb er vermutet, dass er irgendwo mit jemandem Schach spielt und darüber alles vergessen hat. Er beschließt, geduldig zu sein, als er von einem Mamelucken (= Diener) die Nachricht überbracht bekommt, dass die erwartete Karawane aus Ägypten gerade eintrifft. Saladin bedankt sich für die Nachricht und schickt den Diener fort. Dieser geht aber nicht, sondern erwartet eine Belohnung. Dabei wird er regelrecht frech gegenüber dem Sultan, da es ihm als Untergebenen nicht zusteht, eine Belohnung zu fordern. Außerdem hat er nichts Außergewöhnliches getan.

Saladin fühlt sich aber an seiner Ehre als edler Gönner gepackt und will ihm einen Beutel Gold schenken. Als der Diener nun trotzig ablehnt, will er ihm sogar zwei schenken. Der Mameluck lehnt aber erneut ab und es kommt ein zweiter, der Saladin genau das gleiche sagt wie der erste.


Saladin veranlasst das, ihm zu erlauben sich einen oder zwei Beutel Gold zu nehmen. Der wird daraufhin aber ebenfalls dreist und fordert drei. Saladin erlaubt das sofort und erfährt, dass sie zu dritt waren und sich ein Wettrennen lieferten, wer dem Sultan zuerst von der Ankunft der Karawane erzählt. Einer ist dabei gestürzt und zwei kamen zu unterschiedlichen Zeiten an. Der Mameluck verspricht das Gold mit dem gestürzten zu teilen.
Saladin bleibt mit dem Gefühl zurück, gute und edle Diener zu haben. Er durchschaut nicht, dass sie ihm lediglich möglichst viel Gold aus der Tasche ziehen wollten.


2. Auftritt:
Die Karawane ist eingetroffen und Emir Mansor kommt zu Saladin, um ihm Rede und Antwort zu stehen. Er berichtet von Unruhen, die ihre Reise verzögert hätten. Saladin glaubt ihm sofort und schickt ihn mit dem Großteil des Geldes weiter in den Libanon zu seinem Vater. Er soll aber genug Bewacher mitnehmen, da die Tempelritter den Waffenstillstand gebrochen haben und es in dieser Region Kämpfe gibt. Hier zeigt sich das Vertrauen, das Saladin in seine Untergebenen setzt. Er kontrolliert sie kaum und kann sich auch nicht vorstellen, dass sie ihn täuschen könnten, wie es die Mamelucken zuvor getan haben.


3. Auftritt:
Der Tempelherr geht unter den Palmen vor Nathans Haus auf und ab und denkt darüber nach, weshalb er so böse auf Nathan ist, da dieser die Hochzeit noch gar nicht verboten hat. Außerdem hat sich sogar Saladin für ihn verwendet. Diese Aspekte bringen ihn dazu, sich wieder zu beruhigen und sich an seine neue Toleranz zu erinnern. Er kommt zu dem Schluss, dass nur der Jude Nathan Rechas wahrer Vater ist, da er sie zu dem Menschen gemacht hat, der sie heute ist. Und genau so liebt er sie.


Mittlerweile schämt sich der Tempelherr auch für seinen Auftritt vor Saladin. Da sieht er Nathan mit dem Klosterbruder aus dem Haus treten und befürchtet, dass der Patriarch nun weiß, von welchem Juden er gesprochen hat. Er bereut sein aufbrausendes Temperament, das ihn dazu verleitet hat, zum Patriarchen zu gehen, da er nun die Tragweite seines Handelns versteht. Während er darüber nachdenkt, was er tun kann, um Nathan zu schützen, wartet er darauf, dass der Klosterbruder geht.

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Interpretation 4. bis 6. Auftritt


4. Auftritt:
Der Klosterbruder hat Nathan das versprochene Buch gebracht und hofft, dass dieser es nach allem, was ihm die Christen angetan haben und der Patriarch vorhat ihm anzutun, niemals bereut, Recha aufgezogen zu haben. Nathan kann ihn beruhigen, da er das Mädchen viel zu sehr liebt. Er hat außerdem erfahren, dass sein Freund, der Tempelherr, ihn beim Patriarchen angezeigt hat. Das kann er anfangs nicht glauben, da er ihn ganz anders einschätzt, aber der Klosterbruder ist sich sicher.


Mit dem Buch will Nathan direkt zum Sultan gehen und ist erleichtert, dass er nun nichts mehr verbergen muss. Er will nämlich bei Saladin Rechas Herkunft aufklären und hat dann keinen Grund mehr, sich zu verstecken. Auch den Patriarchen muss er dann nicht fürchten, da der Sultan ihn vor diesem beschützen wird.


5. Auftritt:
Der Tempelherr spricht Nathan an, nachdem der Klosterbruder gegangen ist, und will mit ihm zusammen zum Sultan gehen. Er fragt Nathan, ob der Klosterbruder etwas über ihn gesagt hat, worauf Nathan ihm erzählt, dass ihn ein Tempelherr beim Patriarchen angezeigt hat. Er macht deutlich, dass er nicht glauben kann, dass dies sein Freund war. Der Tempelherr gibt daraufhin sofort zu, dass er beim Patriarchen war und ohne Namen über Nathan und Recha gesprochen hat.

Er macht dabei auch deutlich, wie sehr er das bereut und betont, dass er nur dorthin gegangen ist, weil er sich über Nathans Zurückhaltung in Bezug auf den Heiratsantrag so geärgert hat. Sein aufbrausendes Temperament ist mit ihm durchgegangen, als Daja ihm dann auch noch anvertraut hat, dass Recha eigentlich Christin ist. Um seine unbesonnene Tat wieder gut zu machen, will er Recha auf der Stelle heiraten, damit der Patriarch sie nicht in ein Kloster schicken kann und Nathan sie nicht verliert. Außerdem verspricht er, Nathan nie genauer nach ihr zu fragen und es spielt für ihn auch keine Rolle, welcher Religion sie nun tatsächlich angehört.


Nathan reagiert aber auch hier wieder zurückhaltend und macht deutlich, dass es für eine Hochzeit mit seiner alleinigen Zustimmung zu spät ist, da er nun weiß, wer Rechas Verwandte sind. Zu ihrem Bruder will er sie bringen und dieser hat dann auch zu entscheiden, wen sie heiratet. Damit erteilt Nathan dem Tempelherrn wieder eine Abfuhr, aber dieser beschwört ihn, das nicht zu tun, indem darauf hinweist, dass Recha dann nicht mehr die ist, die Nathan erzogen hat, sondern dass das Gute in ihr erstickt werden könnte. Nathan weist diese Bedenken aber zurück, da Recha ihn und auch den Tempelherrn immer als Freunde an ihrer Seite haben wird.


Da der Tempelherr unter diesen Umständen wahrscheinlich nicht der Ehemann Rechas werden kann, will er zu ihr, um mit ihr durchzubrennen. Er ist sogar bereit, zum Islam zu konvertieren, nur um mit ihr zusammen zu sein. Damit bezweckt er, dass sie nicht gefunden werden. Aber Nathan bremst ihn auch hier wieder, indem er ihm mitteilt, dass Recha beim Sultan ist und der Tempelherr ihn dorthin begleiten soll, weil er dann auch ihren Bruder kennenlernen kann. Das bedeutet, dass alle Pläne des Tempelherrn Recha zur Frau zu bekommen, gescheitert sind.


6. Auftritt:
Sittah freut sich, Recha kennenzulernen und fordert sie auf, weniger zurückhaltend zu sein und offen mit ihr zu sprechen. Für Recha ist das sehr überraschend, aber Sittah macht deutlich, dass es ihr damit ernst ist, denn sie will nicht als Prinzessin sondern als Mutter oder Schwester angesprochen werden. Damit will sie als völlig Fremde die Vertrauensstellung einer nahen Familienangehörigen haben. Sie schmeichelt Recha, indem sie ihre Klugheit und Belesenheit lobt. Da widerspricht Recha aber, da sie kaum Bücher liest, weil ihr Vater davon wenig hält.

Er bringt ihr Dinge bei, wenn er es für notwendig erachtet und bildet dadurch auch ihre Seele, was Sittah bewundert. Recha gerät förmlich ins Schwärmen über Nathan, bricht dann aber plötzlich in Tränen aus, wirft sich Sittah zu Füßen und stammelt, dass sie ihren Vater verlieren soll. Die Prinzessin ist mit dem weinenden Mädchen etwas überfordert und bittet sie, sich zu beruhigen und aufzustehen. Sie verspricht auch, ihr als Freundin und Schwester beizustehen. Das bringt Recha dazu aufzustehen und sich zu sammeln.


Sie erzählt, dass ihre christliche Erzieherin Daja daran schuld ist, dass sie Nathan als Vater verlieren könnte. Dabei ist sie hin und hergerissen zwischen Groll und Liebe zu ihrem Mutterersatz. Sie erkennt, dass Daja eine christliche Schwärmerin ist, die es nicht mitansehen kann, wenn sie meint, dass ein geliebter Mensch ins ewige Verderben rennt. Das Seelenheil geht ihr nämlich über alles.


Recha erläutert weiter, dass Daja ihr unterwegs zum Palast in einer verfallenen Kirche offenbart hat, dass sie eigentlich Christin und Nathan nicht ihr Vater ist. Dabei übermannen sie erneut ihre Gefühle und sie wirft sich der Prinzessin wieder zu Füßen. Sittah ist nicht so erschüttert, da sie bereits vom Tempelherrn wusste, dass Recha Christin ist, dennoch bedauert sie ihr Unglück. Als das Mädchen vor ihr auf dem Boden liegt, beschwört sie es erneut aufzustehen, da ihr Bruder gerade kommt und diese Situation sehr merkwürdig auf ihn wirken muss.

Interpretation 7. und letzter Auftritt


7. Auftritt:
Saladin kommt zu Sittah und ist verwundert über das kniende und weinende Mädchen, das sich nicht beruhigen will. Recha schleppt sich zu Saladin und will ihn nicht eher anschauen geschweige denn aufstehen, als bis er ihr etwas versprochen hat. Der Sultan ist sichtlich überfordert mit der Situation und verspricht ihr alles, wenn sie nur aufsteht. Sie sagt dann, dass sie Nathan nicht als Vater verlieren will und es ihr völlig egal ist, wer sonst einen Anspruch auf sie erhebt, da nicht nur die leibliche Verwandtschaft eine Vaterschaft ausmacht. Saladin hilft ihr aufzustehen und ist sehr verständnisvoll.

Er pflichtet ihr bei, dass eine Blutsverwandtschaft nichts über die Beziehung aussagt und bietet sich selbst als Vater für sie an, falls sich je zwei Väter um sie streiten. Auch Sittah ist ganz begeistert von dieser Idee, da sie selbst ja Rechas Schwester bzw. Mutter sein will und das Mädchen dann wirklich zu ihrer Familie gehören würde.


Saladin hat dann aber eine noch bessere Idee, indem er vorschlägt, dass Recha heiraten soll, da Väter sterben können. Er fragt sie direkt, ob es jemanden gibt, in den sie sich verliebt hat. Er denkt dabei an den Tempelherrn, den er zusammen mit Nathan zu sich bestellt hat. In ihrer Begeisterung lassen die Geschwister Recha keine Möglichkeit zu antworten und verhalten sich auch sehr übergriffig, zumal sie das Mädchen eigentlich gar nicht kennen.


Letzter Auftritt:
Nathan und der Tempelherr kommen zu den vorigen und Saladin begrüßt seine Freunde. Nathan sagt er, dass er ihm sein Geld zurückgeben wird und ihm darüber hinaus noch weiteres Geld zur Verfügung stellen will, damit dieser noch besser Handel betreiben kann. Seinen Freund erstaunt, dass er über so etwas Nachrangiges mit ihm spricht, während Recha da ist und offensichtlich geweint hat. Er geht zu ihr und sie umarmen sich. Außerdem versichern sie sich gegenseitig weiterhin Vater und Tochter zu sein.


Als Recha erklärt, dass ihr nun nichts Schlimmes mehr passieren kann, fühlt sich der Tempelherr zurückgesetzt und sagt beleidigt, dass er sich wohl in Rechas Gefühlen getäuscht hat. Als er gehen will, hält Saladin ihn zurück und versucht ihn erstmal zu beruhigen. Er führt Recha zu ihm und fordert diese auf, ihm ihre Liebe zu gestehen. Damit will er dem Tempelherrn zeigen, dass er Unrecht in Bezug auf Rechas Gefühle hatte. Bevor sie aber etwas sagen kann, schaltet sich Nathan ein und weist darauf hin, dass Recha einen Bruder hat, der zu einer Verlobung seine Zustimmung geben muss. Beim Tempelherrn löst das Bitterkeit aus, da er sich erneut abgewiesen fühlt.


Nathan nimmt ihm das aber nicht übel, sondern erklärt, dass er sowohl die gesamte Familiengeschichte des Tempelherrn sowie dessen wahren Namen kennt, welcher Leu von Filnek lautet. Er wurde von seinem Onkel an Kindes statt aufgezogen, nachdem seine Eltern zurück nach Palästina gegangen sind. Mit dem Vater des Tempelherrn war Nathan sogar befreundet und er offenbart, dass Recha und der Tempelherr Geschwister sind. Recha freut sich über diese Nachricht und will ihren Bruder umarmen, der aber zurückweicht und es nicht fassen kann. Recha fühlt sich dadurch zurückgesetzt und ist verletzt.

Auch der Sultan ist mit seiner Reaktion nicht zufrieden und will ihn fortschicken, weil er Recha nicht als Schwester anerkennt. Der Tempelherr entschuldigt sich daraufhin bei Saladin und eilt zu Nathan, um ihm zu erklären, dass er ihm die Geliebte zwar genommen hat, ihm aber dafür eine Schwester geschenkt hat. Letztere ist ihm sogar wichtiger und er umarmt Recha. Dass ihm dieser Wechsel von der Geliebten zur Schwester keinerlei Schwierigkeiten bereitet, befremdet erst einmal, spielt aber im Stück keine Rolle, da hier das Ideal der Liebe und Nächstenliebe gezeigt wird und wie es durch die beteiligten Personen gelebt wird.


Nathan offenbart dann noch Rechas richtigen Namen, die eigentlich Blanda von Filnek heißt. Der Tempelherr befürchtet zuerst, Nathan wolle sie verstoßen, weil er ihren christlichen Namen benutzt, aber er will im Gegenteil auch ein Vater für ihn sein, wie er es für Recha ist. Die drei umarmen sich gerührt und glücklich.


Auch Saladin und Sittah berührt diese Familienzusammenführung, wobei der Sultan andeutet, dass es noch mehr zu enthüllen gibt und sich Sittah auf noch mehr Emotionen vorbereiten soll. Er nimmt dann auch direkt Nathan beiseite und fragt ihn zu Wolf von Filnek aus. Als er erfährt, dass dieser aus dem Morgenland kam und Persisch sprach, ist er sich ganz sicher, dass es sich bei diesem Mann um seinen Bruder Assad handeln muss.

Nathan zeigt ihm dann noch das Buch, das er vom Klosterbruder erhalten hat, und Saladin erkennt darin Assads Handschrift. Nathan weist ihn darauf hin, dass er Recha und dem Tempelherrn nicht sagen muss, dass er ihr Onkel ist und die beiden somit auch von königlichem Geblüt sind. Saladin möchte aber nicht hinter Nathan zurückstehen und auch seinen Anteil an den beiden haben.

Deshalb ruft er laut zu Sittah, dass die beiden ihre Nichte und ihr Neffe sind. Sittah ist überglücklich und Saladin freut sich ebenfalls, dass die beiden zu seiner Familie gehören. Der Tempelherr erinnert sich an Träume aus seiner Kindheit, von denen er dachte, sie seien nicht real und erkennt, dass sie doch der Wahrheit entsprachen.

Er hatte demnach schon eine Ahnung vom Leben seiner Eltern, an dem er allerdings nicht teilhatte. Alle umarmen sich und der Vorhang fällt. Trotz aller Verwicklungen und Verletzungen endet das Stück nicht nur in größter Harmonie, sondern es stellt sich sogar heraus, dass alle miteinander verwandt sind. Damit sind nicht nur die Personen gemeint, sondern auch die drei Weltreligionen, die sie repräsentieren.


Autorin: Kirsten Schwebel

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